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Deutschland/Welt Schottland verteidigt Freilassung des Lockerbie-Attentäters
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Schottland verteidigt Freilassung des Lockerbie-Attentäters
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14:43 21.08.2009
Alex Salmond kritisierte den begeisterten Empfang für Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi. Quelle: afp
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Er glaube nicht, dass die Entscheidung zur Freilassung des frühren libyschen Geheimdienstagenten Megrahi dem Ruf Schottlands schade, sagte Salmond der BBC. Der Fall Lockerbie habe immer gespaltene Meinungen hervorgerufen, „das ist unvermeidbar“. Die Beziehungen zu den USA seien jedoch unbhängig davon, ob man immer zur selben Meinung gelange, „stark und beständig“, ergänzte der schottische Regierungschef.

Begleitet von scharfer Kritik von Angehörigen der Opfer sowie den Regierungen in Washington und London war der schwer krebskranke Megrahi am Donnerstag aus schottischer Haft entlassen worden. Er war 2001 wegen des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug über dem schottischen Lockerbie 13 Jahre zuvor verurteilt worden. Bei dem Attentat starben 270 Menschen. Megrahi landete am Donnerstagabend in Libyen. Hunderte junger Menschen winkten bei seiner Ankunft auf dem Flughafen der Hauptstadt Tripolis mit schottischen und libyschen Fahnen.

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„Ich glaube nicht, dass der Empfang für Herrn Megrahi in Libyen angemessen war“, kritisierte Schottlands Regierungschef Salmond. Der britische Außenminister David Miliband sagte der BBC, es sei “äußerst bedauerlich und erschütternd“, wie ein Massenmörder als Held willkommen geheißen werde. Der libysche Umgang mit Megrahi könne diplomatische Konsequenzen nach sich ziehen, warnte der britische Chefdiplomat. Libyen müsse wissen, dass seine Handlungen in den kommenden Tagen großen Einfluss darauf hätten, wie die Welt die Rückkehr des Landes in die Staatengemeinschaft werte.

Bereits vor der Ankunft Megrahis in Tripolis hatten die USA Libyen vor diplomatischen Folgen eines euphorischen Empfangs gewarnt. Washington stehe mit der libyschen Regierung in Kontakt und fordere, den begnadigten Attentäter unter Hausarrest zu stellen, sagte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag in einem Rundfunkinterview. Zugleich bezeichnete er die Freilassung erneut als „Fehler“.

Der Sohn des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi, Seif el Islam, bezeichnete die Freilassung auf der Internetseite der von ihm geführten Gaddafi-Stiftung als „historisches Ereignis“. Er dankte der schottischen Regierung für ihre „mutige Entscheidung“ und ihr „Verständnis“ gegenüber dem todkranken Megrahi. Islam war ein wichtiger Unterhändler in den Gesprächen mit der schottischen Regierung und begleitete Megrahi bei seiner Rückkehr.

Mehrere Hinterbliebene zeigten sich empört über die Begnadigung Megrahis. Stephanie Bernstein, deren Mann zu den 270 Opfern des Flugzeugabsturzes zählte, bezeichnete die Entscheidung des schottischen Justizministers Kenny MacAskill als „naiv“. „Wir sprechen von einem Massenmörder“, sagte die Hinterbliebene Susan Cohen, deren 20-jährige Tochter bei dem Anschlag kurz vor Weihnachten 1988 starb. Jemand, der so viele unschuldige junge Menschen umgebracht habe, könne nicht auf Mitgefühl hoffen. Die meisten Opfer des verheerenden Anschlags stammten aus den USA.

afp