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Deutschland/Welt Ruprecht Polenz spricht über die Afghanistan-Strategie
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ruprecht Polenz spricht über die Afghanistan-Strategie
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07:53 29.01.2010
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Herr Polenz, halten Sie den deutschen Beitrag für Afghanistan für ausreichend?

Es ist das, was Deutschland leisten kann. Sicherlich wäre es schön, wenn es noch etwas mehr wäre. Aber für die definierten Ziele sind die Mittel ausreichend.

Sie hatten Bischöfin Margot Käßmann kritisiert. Was ist daran auszusetzen, wenn sie „mehr Phantasie für den Frieden“ fordert?

Man kann nie genug Phantasie für den Frieden entwickeln. Darum ging es mir nicht. Aber ich kritisiere Forderungen nach einem sofortigen Abzug.

Was wäre daran auszusetzen?

Wir würden mit einem sofortigen Abzug den gleichen Fehler begehen, wie er damals nach dem Rückzug der sowjetischen Armee begangen wurde. Das Land blieb sich selbst überlassen und wurde zur Heimstatt des Terrorismus. Nicht zu vergessen der fürchterliche Bürgerkrieg, der nach dem Rückzug der Sowjets ausbrach. Heute gäbe es den Unterschied, dass die Taliban nicht nur eine Bedrohung für Afghanistan wären, sondern auch für die Atommacht Pakistan.

Wie stehen Sie zu einem konkreten Abzugstermin?

Das halte ich für falsch. Wir übergeben die Verantwortung in Verantwortung. Dort wo es möglich ist. Und dort, wo es noch nicht geht, geht es eben nicht. Ein konkretes Enddatum unseres Engagements wäre ein Signal an die Taliban: Ihr müsst nur so lange abwarten …

Was ist aus den Zielen geworden, die sich die Staatengemeinschaft vor acht Jahren gegeben hatte?

Heute gibt es eine Verfassung in Afghanistan, die per Volksabstimmung legitimiert worden ist. Und die schulische Situation hat sich deutlich verbessert. 35 Prozent der Schüler sind Mädchen und junge Frauen.

Interview: Stefan Koch

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