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Deutschland/Welt Rund 300 Aufständische getötet
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20:31 30.07.2009
Beim Kampf gegen die islamistische Sekte in Nordnigeria setzte die Armee mehrere Häuser in Brand. Quelle: AFP
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Nach Behördenangaben brachten die Sicherheitskräfte die Lage in der besonders hart umkämpften Islamisten-Hochburg Maiduguri unter Kontrolle.

Rund 200 Aufständische, die von den Behörden als „Taliban“ bezeichnet werden, starben Polizeikreisen zufolge in der Nacht zum Donnerstag am Rand von Maiduguri, der Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Sie seien auf der Flucht vor den Sicherheitskräften gewesen. Ein einheimischer Journalist in Maiduguri berichtete zudem, er habe 90 Leichen gezählt, die an einem Stützpunkt der Aufständischen lagen. In Maiduguri befindet sich das Hauptquartier einer aufständischen islamistischen Sekte, die sich den afghanischen Taliban verbunden fühlt und für einen islamischen Gottesstaat im Norden Nigerias kämpft. Die Sekte fordert auch die Einführung der Scharia, dem islamischen Recht, für Nigeria.

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Wie aus den Polizeikreisen verlautete, wurde auch der Vize-Chef der Sekte, Abubakar Shekau, am Donnerstag in Maiduguri auf der Flucht getötet. Das Schicksal von Sektenführer Mohammed Yusuf war weiter ungeklärt, nachdem Soldaten am Dienstag sein Haus unter Beschuss genommen hatten.

Tagsüber beruhigte sich die Lage in Maiduguri. Ein Bewohner der Stadt sagte, die ganze Nacht hindurch seien Schüsse aus den Vierteln Shokai und Dekwa Lowcost zu hören gewesen. Kurz vor Mittag aber war es ruhig in der Stadt. Einige Bewohner wagten sich wieder auf die Straßen, die tagelang wie ausgestorben waren. Zuletzt hatte die Armee rund tausend Soldaten als Verstärkung in die Region geschickt. Die Sicherheitskräfte verkündeten am Donnerstag, sie hätten in Maiduguri gesiegt. „Nach dem Sturz der Taliban haben die Sicherheitskräfte die Lage unter Kontrolle“, sagte der Sprecher der Regierung von Borno, Usman Chiroma. Dafür sprach, dass die Ausgangssperre gelockert wurde und statt wie bisher um 19 Uhr erst um 21 Uhr beginnen sollte.

Von der Gewalt sind außer Borno auch die Bundesstaaten Yobe, Bauchi und Kano betroffen.

In Bauchi hatten die Kämpfe am Sonntag begonnen, als Islamisten eine Polizeistation überfielen. Nigerias Präsident Umaru Yar’Adua befahl den Streitkräften, die Fundamentalisten „ein für allemal“ niederzuschlagen.

Wegen der anhaltenden Kämpfe gibt es in der Krisenregion nach Angaben von Hilfswerken eine dramatische Flüchtlingssituation. Das katholische Missionswerk missio meldete am Donnerstag unter Berufung auf Mitarbeiter vor Ort, dass Tausende Flüchtlinge vor den Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und fanatischen Muslimen Zuflucht in Militärbaracken am Rande der Stadt Maiduguri gesucht hätten. „Die meisten von ihnen sind Christen, aber auch viele Muslime befinden sich unter den Flüchtlingen. Ihre Lage ist äußerst kritisch“, berichtete der Koordinator der Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung der Diözese Maiduguri, Stephen Dami Mamza. „Es gibt nicht genug Lebensmittel, Unterkünfte, Trinkwasser und Medikamente für die Menschen.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, verurteilte die Gewalttaten scharf. Er stellte in Bonn zugleich klar, dass er an seiner für den 26. August geplanten Reise in das westafrikanische Land festhalten werde.

von Ibrahim Mshelizzar