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Deutschland/Welt Riesenbetrug mit Abwrackprämie
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Riesenbetrug mit Abwrackprämie
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14:57 17.04.2009
Quelle: ddp
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Nach Schätzungen des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vom Freitag wurden mindestens 500 Wagen illegal nach Afrika verschifft. Es handele sich dabei um „professionelle Betrüger“, sagte BDK-Vize Wilfried Albishausen der „Bild“-Zeitung.

Die Betrüger versuchten, „im großen Stil abgewrackte Autos zu verkaufen“, sagte Albishausen dem Blatt weiter. Die Händler stellen dem Bericht zufolge für ein Altauto einen Verwertungsnachweis aus, mit dem der Vorbesitzer die Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro bekommen kann. Dann wird der Wagen aber nicht verschrottet, sondern mit gefälschten Fahrzeugbriefen Exporteuren angeboten. Auf diesem Weg gelangen sie schließlich auf Schiffe nach Afrika.

Die Polizei Hamburg bestätigte auf Anfrage, dass in den vergangenen Wochen bei Stichproben im Hafen 25 Wagen auf Schiffen Richtung Afrika sichergestellt wurden. Dabei soll es sich um Autos handeln, für die Abwrackprämie kassiert wurde. Um den Betrug einzudämmen, verlangte BDK-Vize Albishausen mehr Kontrollen in Häfen und unangekündigte Überprüfungen von Schrottplätzen und Recyclingstellen. Nur so lasse sich das Problem in den Griff bekommen.

Ein Schrotthändler aus dem Ruhrgebiet sagte der „Bild“-Zeitung, besonders begehrt seien japanische Modelle. Diese brächten bis zu 600 Euro. Für deutsche Modelle gebe es sogar mehr als 1000 Euro. Für Afrika seien die Autos Perlen. Sie könnten gar nicht verstehen, wie so etwas verschrottet werden könne.

Die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über Betrugsfälle bei anerkannten Autoverwertern. Die Betriebe seien vielmehr so verunsichert, dass sie alle Vorgaben minutiös abarbeiteten und jedes Detail nachfragten, sagte BDSV-Geschäftsführer Ulrich Leuning der Nachrichtenagentur AFP. Die Unternehmen hätten Angst, in Haftung genommen zu werden.

Laut Leuning gibt es aber bei den Händlern eine „Grauzone“. In diesen Bereichen halte er Fälschungen von Fahrzeugbriefen für denkbar. Den illegalen Weiterverkauf von Altautos, die eigentlich verschrottet werden müssen, gab es nach seinen Angaben schon vor der Abwrackprämie. Durch diese könne nun noch zusätzlich ein Subventionsbetrug dazukommen.

Zur Bekämpfung von Missbrauch müssen Autokäufer seit März beim Antrag auf die Abwrackprämie den entwerteten Fahrzeugbrief ihres Altautos im Original einreichen. Bis dahin waren auch Kopien akzeptiert worden. afp