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Deutschland/Welt Pronold neuer Vorsitzenden der bayerischen SPD
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Pronold neuer Vorsitzenden der bayerischen SPD
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18:10 11.07.2009
Der neu gewählte Landesvorsitzende der bayerischen SPD, Florian Pronold. Quelle: Oliver Lang/ddp
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Mit 89,7 Prozent der Stimmen wurde er auf dem SPD-Landesparteitag am Sonnabend in Weiden zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly hatte Pronold offiziell vorgeschlagen: „Ich glaube, dass der Flori der Richtige ist für dieses Amt.“

Vorgänger Ludwig Stiegler hat ihm ein schwieriges politisches Erbe hinterlassen. „Flori, ich hätte Dir gern mehr übergeben. Es ist mir sauzuwider“, räumte der 65-Jährige in seiner Abschiedsrede ein. Seine Hoffnung sei nun, dass die neue Führungsgeneration das wieder aufholt, „was wir Älteren versaubeutelt haben“. Stiegler übernahm die Verantwortung für 18,6 Prozent bei der Landtagswahl und 12,9 Prozent bei der Europawahl.

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Pronold räumte ein, dass seine Ausgangsposition nicht einfach sei, „um es vorsichtig und milde auszudrücken“. Es sei eine „gewaltige Aufgabe“, die da vor ihm liege. Die Basis sei angesichts der Wahlniederlagen „oft verzweifelt“. Doch in dieser Gemütslage dürfe die SPD nicht verharren. Der neue Vorsitzende appellierte an seine Genossen, „das Schwierigste zu machen, das es für uns gibt: Uns gegenseitig zu loben, für das was wir gut machen“.

Die Partei müsse Kompetenz und Zuversicht ausstrahlen. „Wir dürfen nicht der schüchterne Liebhaber sein“, mahnte Pronold im Umgang mit den Bürgern: „Wir müssen ran an die Leiter, raus zum Festerln, um die sozialdemokratischen Herzen zu erobern.“ Das Motto laute: „Yes, we want!“- „Ja wir wollen“.

Doch die SPD verkaufe sich schlecht, waren sich der neue und der alte Vorsitzende einig. Die Partei habe ein Problem mit den eigenen Erwartungen, analysierte Stiegler. „Wir müssen die Latte so hoch hängen, dass wir auch elegant drüberspringen können.“ Wenn sich nicht alle politischen Wünsche durchsetzen ließen, verfalle die SPD in Selbstzerfleischung. „Wir neigen zur Autoaggression“, stellte Stiegler kritisch fest. „Wir neigen dazu, uns selber die Federn blutig zu rupfen.“ Und diese Unzufriedenheit übertrage sich auch auf die Wähler.

Pronold bemühte sich in seiner Rede, Abschied zu nehmen von seinem Image als Polterer, Wadlbeißer und Bub „Flori“. Betont staatstragend und seriös präsentierte sich der neue SPD-Chef seiner Partei. Er ging sogar auf seine schon viele Jahre zurückliegende Bezeichnung von Christus am Kreuz als „Lattengustl“ ein. Er sei sehr christlich erzogen worden, erzählte der Niederbayer. Jesus als Person sei für ihn fast ein Vorbild gewesen, „weil er für die damalige Zeit ein ziemlicher Revoluzzer war“.

Und in der christlichen Soziallehre fänden sich auch viele Parallelen zur Sozialdemokratie. Die SPD sei der Garant für soziale Gerechtigkeit und soziale Sicherheit, während Union und FDP noch immer Anhänger des Neoliberalismus seien: „Der Allerdümmste heißt Friedrich März. Der schreibt nach der Finanzkrise ein Buch mit dem Titel ’Mehr Kapitalismus wagen’“, empörte sich Pronold unter dem Applaus der Delegierten.

Die Bundestagswahl am 27. September ist der erste Markstein für den neuen Vorsitzenden. Doch so richtig messen lassen will sich Pronold erst am Landtagswahlergebnis 2013. Stiegler glaubt sogar, dass „ein gutes Jahrzehnt Aufbauarbeit“ nötig sein werde, um die SPD wieder nach vorn zu bringen. Die Partei brauche einen Neuanfang. Es sei Zeit, „zur Attacke zu blasen“, sagte Stiegler. Verabschiedet wurde er von den Genossen mit minutenlangem stehendem Applaus, was er selbstkritisch mit den Worten kommentierte: „Danke, dass Ihr Gnade vor Recht ergehen lasst.“

ddp