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Deutschland/Welt Privatkredit bringt Bundespräsidenten in Bedrängnis
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Privatkredit bringt Bundespräsidenten in Bedrängnis
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22:21 13.12.2011
Für sein neues Zuhause lieh sich Christian Wulff 500.000 Euro von der Ehefrau eines Unternehmers – jetzt wird seine politische Glaubwürdigkeit bezweifelt. Quelle: Ralf Decker (Archivbild)
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Hannover/Berlin

Nun hegen SPD, Grüne und Linke im Landtag den Verdacht, Wulff habe das Parlament getäuscht und „haarscharf an der Wahrheit vorbei geantwortet“. Damit zeige das heutige Staatsoberhaupt ein moralisch fragwürdiges Verhalten. Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker betonte, der Politiker habe damals im Landtag „korrekt“ auf die Fragen geantwortet.

Wulff und seine Frau hatten 2008 ein Haus in Großburgwedel (Region Hannover) gekauft. Wie jetzt bekannt wurde, nutzte er dafür einen Privatkredit über 500.000 Euro, der ihm von Edith Geerkens angeboten worden war. Mit dem Ehemann Egon Geerkens ist Wulff seit Jahrzehnten eng befreundet. Geschäftliche Beziehungen gab es aber offenbar nicht, Geerkens ist im Ruhestand und lebt in der Schweiz.

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Der Name Geerkens spielte im Landtag schon einmal eine Rolle, als nämlich Anfang 2010 die Umstände von Wulffs Florida-Reise parlamentarisch aufgearbeitet wurden. Damals ging es um den Vorwurf, Wulff habe beim Flug Vorzugsbedingungen beansprucht, die er laut Ministergesetz nicht annehmen darf. Ziel der Reise war damals das Ferienhaus von Geerkens in Florida gewesen. Kurz nachdem der Landtag auch über die Verbindungen Wulffs zu Geerkens diskutiert hatte, löste Wulff das Privatdarlehen auf und erhielt einen Kredit zu angeblich noch günstigeren Konditionen bei der BW-Bank in Stuttgart. Die SPD sieht das als Beleg dafür, dass Wulff die Brisanz seiner Verbindung zu Geerkens erkannt und diese beendet habe.

Grund für die heftige politische Debatte ist nun weniger der Privatkredit als vielmehr die Tatsache, dass dies im Landtag nicht zur Sprache kam. Die Grünen-Politiker Stefan Wenzel und Ursula Helmhold hatten am 18. Februar 2010 nach geschäftlichen Beziehungen zwischen Wulff und mehreren Geschäftsleuten, darunter Egon Geerkens, gefragt. Die Staatskanzlei antwortete, zwischen Wulff und den in der Anfrage genannten Personen habe es „in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben“. Wie SPD-Landtagsfraktionschef Stefan Schostok meint, habe Wulff damit zwar nicht gelogen, aber das Parlament über seine besonderen Beziehungen zur Familie Geerkens „bewusst im Unklaren gelassen“. Der damalige Ministerpräsident agiere „in einer Grauzone, wenn es um Hilfestellungen durch Freunde und Bekannte ging“. Der grüne Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel hegt die Vermutung, Wulff habe wirtschaftliche Abhängigkeiten verschleiern wollen. Wulff habe „verschwiegen, ohne direkt gelogen zu haben“, erklärte Hans-Henning Adler (Linke).

Klaus Wallbaum und Reinhard Urschel

Gunnar Menkens 12.12.2011