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Deutschland/Welt Peter Altmaier wird neuer Umweltminister
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Peter Altmaier wird neuer Umweltminister
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18:35 16.05.2012
Peter Altmaier wird Nachfolger von Norbert Röttgen.
Peter Altmaier wird Nachfolger von Norbert Röttgen. Quelle: dpa
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Berlin

Peter Altmaier ist ein Politiker-Typ, der auch in schwierigen Lagen selten seinen Humor einbüßt und mit dem feinen Florett der Ironie umgehen kann. „Wenn die Revolution mich frisst, hat sie ein Verdauungsproblem“, witzelte der Saarländer im Nachrichten-Dienst „Twitter“, den das Schwergewicht seit einem halben Jahr begeistert nutzt. Hier pflegt er auch den Austausch mit Sozialdemokraten und Grünen. Engstirnigkeit ist nicht die Sache des 53-Jährigen, dessen Karriere erst unter Angela Merkel richtig durchstartete.

Am Mittwoch fraß die „Revolution“ einen wesentlich schlankeren, nämlich den smarten Norbert Röttgen, mit dem er seit den Zeiten der Bonner „Pizza-Connection“ befreundet ist. Röttgen, wie Altmaier ein Modernisierer der Union, war sein Vorgänger im Amt des ersten Parlamentarischen Geschäftsführers. Und Altmaier wirkte sehr ernst, als er vor die Presse trat. Sein Parteifreund Norbert stand unter Druck. Aber der Rausschmiss kam dann doch sehr überraschend, nachdem CSU-Chef Horst Seehofer den gescheiterten Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen in einer TV-Tirade niedergemacht hatte. Erst am frühen Nachmittag telefonierte die Kanzlerin mit ihrem Favoriten, gleich nach der Kabinettssitzung.

Angela Merkel setzt mit dem früheren Europa-Parlamentarier und Juristen, der nach der Wahl 2005 als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium arbeitete, ihre politische Allzweckwaffe und einen gewieften Strategen auf den Posten, der für das zentrale Projekt Energiewende strategisch entscheidend ist. Allerdings hat Altmaier bisher keinerlei umweltpolitischen Spuren hinterlassen. Er gilt als versierter Verwaltungskenner und Generalist und gehört zum engen Zirkel der Kanzlerinnen-Vertrauten. Zudem ist Altmaier, der fließend Französisch und Niederländisch spricht und auf BBC Live-Interviews gibt, ein exzellenter Politik-Verkäufer und Vermittler.

Allerdings reißt der Machtmechaniker deshalb eine riesige Lücke an einer wichtigen Schaltstelle. Es gibt niemanden, der auf kongenial Weise im Hintergrund die Fraktion zusammenhalten kann. Jetzt muss er sich mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auseinandersetzen. Denn Altmaier übernimmt das Management für das zentrale Projekt der Koalition. „Die Energiewende ist eine große Aufgabe, von deren Gelingen viel abhängt für Verbraucher, Wirtschaft und Umwelt“, dozierte der Mann, der es richten soll. Sie sei „das Schlüsselthema einer modernen Politik.“ Das Multitalent ist auf seiner schwierigsten Baustelle angekommen.

Frank Lindscheid