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Deutschland/Welt Pentagon reduziert die Truppenstärke
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Pentagon reduziert die Truppenstärke
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07:34 27.01.2012
Von Stefan Koch
Foto: Das Pentagon will mehr unbemannte Drohnen einsetzen.
Das Pentagon will mehr unbemannte Drohnen einsetzen. Quelle: dpa
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Washington

„Unser Militär wird auch in Zukunft in der Lage sein, jeden Gegner überall und jederzeit zu besiegen.“ Leon Panetta gibt sich bei der Präsentation der neuen US-Sicherheitsstrategie betont energisch. Der Verteidigungsminister beschreibt an diesem Donnerstag im Pentagon die Armee der Zukunft, die etwas kleiner, dafür aber umso schneller und effektiver auftreten soll. Dass der 73-Jährige einen so martialischen Ton anschlägt, dürfte nicht allein den potenziellen Feinden der Vereinigten Staaten geschuldet sein. Panetta hat vielmehr die oppositionellen Republikaner im Blick, die im Wahlkampfjahr gegen die Kostenreduzierung protestieren.

Im Gespräch mit Journalisten räumt Panetta ein, dass die geplante Truppenreduzierung ein gewisses Risiko beeinhalte. Gleichwohl werde auch die neue Armeestruktur dazu geeignet sein, „mehr als nur einen Krieg zu führen“. Der langjährige Politiker spielt damit auf die bisher geltende amerikanische Militärdoktrin an, dass die Streitmacht in der Lage sein müsse, im Zweifelsfall zwei größere Kriege zur gleichen Zeit führen zu können. Von dieser Position rückt das Pentagon unter der Ägide von Präsident Barack Obama zwar ab – allerdings nur ein wenig. Stattdessen soll das Militär besser auf neue Bedrohungen reagieren können. Und dazu zählen nicht zuletzt kleinere und kleinste Konfliktherde. Um die Unsicherheiten in der gesamten Welt bekämpfen zu können, will das Pentagon insbesondere die Flotte der unbemannten Drohnen ausbauen. Panetta will mehr Aufklärungsflugzeuge und Kampfsysteme in Krisengebiete schicken, die sich vom Bodenpersonal steuern lassen.

Mehr Kontrolle soll es auch in ruhigeren Zeiten geben: Das Pentagon will künftig 65 statt 61 Patrouillen in der Luft halten, um das Geschehen weltweit und rund um die Uhr zu beobachten.

Zum neuen Konzept zählen auch diverse kleine und zum Teil geheime Stützpunkte, von denen aus das amerikanische Militär schnell reagieren kann - wie zum Beispiel kürzlich bei der erfolgreichen Geiselbefreiung in Somalia.

Zugleich folgt Panetta dem Anspruch seines „Commander-in-Chief“, ein „pazifischer Präsident“ zu sein. Schon mehrfach hatte das Weiße Haus anklingen lassen, im asiatisch-pazifischen Raum mehr Präsenz zu zeigen. Unter Fachleuten gilt es als unstrittig, dass Washington in erster Linie das aufstrebende China im Blick hat und dieser neuen Macht etwas entgegenstellen will. Offiziell nimmt jedoch weder Obama noch Panetta dazu Stellung. Als ein chinesischer Journalist am Donnerstag die obersten Militärs mit dieser Frage konfrontiert, antworten sie nur ausweichend. Sie sprechen höflich vom „aufstrebenden Asien und speziell vom bedeutsamen China“. Ein Wort über die wachsenden Bedrohungen ist von den Uniformträgern dagegen nicht zu hören. 

Tatsächlich lassen die USA lieber Fakten sprechen: Sie bauen ihre Militärpräsenz in Australien und auf den Philippinen in den kommenden Jahren deutlich aus. Truppen bleiben auch in Korea, Singapur und Bahrain stationiert.

Gleichwohl verkündet Panetta an diesem Donnerstag ein engagiertes Sparprogramm, um das enorme Staatsdefizit abzumildern. Bis 2017 soll die Truppenstärke um 90.000 Mann sinken - vor allem beim Heer. Aus Europa will das Pentagon zwei Kampfbrigaden abziehen. Ob auf dieser Streichliste die 170. Infanteriebrigade im pfälzischen Baumholder und die 172. Infanteriebrigade im bayerischen Grafenwöhr stehen, will Panetta an diesem Donnerstag – noch – nicht bestätigen. Sicher ist wohl nur, dass insgesamt 10.000 US-Soldaten Europa verlassen.

Der Minister und frühere CIA-Chef weiß um die Empfindlichkeiten der Europäer und beeilte sich, darauf hinzuweisen, dass in Europa in Zukunft wahrscheinlich etwa genau so viele Soldaten tätig sind wie bisher. Fest stationierte Truppen sollen zwar abziehen, dafür würden die Mannschaften aber in einem Rotationsverfahren zu Trainingszwecken nach Europa kommen.

Tatsächlich sind die amerikanischen Stützpunkte in Deutschland schon seit geraumer Zeit ausgedünnt, da die Soldaten nach Afghanistan und in den Irak abkommandiert wurden.

Die Einspardimensionen sind bemerkenswert: Bis 2017 sollen die Kosten um 259 Milliarden Dollar sinken, sagt Panetta. Bis 2022 sogar um eine halbe Billion Dollar - insgesamt um 487 Milliarden.

Für so manchen Soldaten dürften das ganz neue Erfahrungen sein: Erstmals seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 will das Pentagon mit weniger Geld als im Vorjahr auskommen.

Die Gesamtsummen bleiben dennoch enorm. So stehen der Armee für den Routinebetrieb in diesem Haushaltsjahr 525 Milliarden Dollar zur Verfügung. Darüber hinaus besitzt sie ein Budget von 88 Milliarden Dollar für Kampfeinsätze. Von einer schrumpfenden Truppe zu sprechen, bleibt also etwas gewagt.