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Deutschland/Welt Patientenbeauftragte fordert mehr Qualitätskontrollen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Patientenbeauftragte fordert mehr Qualitätskontrollen
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17:40 11.06.2009
Helga Kühn-Mengel (SPD)
Helga Kühn-Mengel (SPD) Quelle: ddp
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VON CHRISTOPH SLANGEN

Die Bundesärztekammer hat ihre Statistik über medizinische Behandlungsfehler im Jahr 2008 präsentiert. Sind die Zahlen plausibel?

Diese Erhebung der Daten von den Schlichtungsstellen weist eine Steigerung der Patientenbeschwerden um fünf Prozent im Jahr 2008 aus, bei den anerkannten Behandlungsfehlern verzeichnet sie mit 2090 Fällen nahezu Gleichstand gegenüber 2007. Die Zahl der Anträge kommt mir niedrig vor. Es gibt zur Zahl der Ärztefehler verschiedene Schätzungen. Das Robert-Koch-Institut spricht von 40 000 Behandlungsfehlervorwürfen pro Jahr, davon seien 12 000 Fehler nachgewiesen. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit geht nach Auswertung von Studien davon aus, dass etwa 17 000 Fälle pro Jahr in Krankenhäusern aufgrund von Behandlungsfehlern tödlich verlaufen. Eindeutige Zahlen gibt es nicht.

Wie lässt sich die Lage verbessern?

Wir brauchen im stationären Bereich ein Risikomanagement und Fehlermeldesysteme. Bereits jetzt gibt es in vielen Krankenhäusern Anstrengungen auf freiwilliger Basis. Dort wird eine Kultur des Umgangs mit Fehlern entwickelt. Man muss dann aber auch festlegen, dass die Meldung eigener oder fremder Fehler von Sanktionen ausgeschlossen ist. Wenn jemand eingesteht, dass ihm ein schwerer Fehler passiert ist, der ohne Folgen blieb, so muss das genutzt werden, um daraus zu lernen. Ihm darf innerhalb seiner Institution kein Nachteil entstehen.

Fehler mit Folgen müssen aber doch sanktioniert werden?

Genau. Ich plädiere für eine Pflicht des Behandelnden, auf einen Fehler oder einen möglichen Fehler hinzuweisen. Derzeit muss der Patient den Fehler nachweisen, den Schaden und den kausalen Zusammenhang. Das ist eine zu große Last. Die Rechtsprechung auf höchster Ebene hat deshalb eine Beweislastumkehr bei groben Behandlungsfehlern eingeführt. Das
Bundesjustizministerium prüft, wann es weitere Beweislasterleichterungen geben kann. Oft kommen die Patienten nicht einmal rechtzeitig an ihre Behandlungsunterlagen heran. Bei Dokumentationsmängeln oder bei nicht vollständiger Herausgabe der Akten sollte es eine Erleichterung geben. Im Übrigen: Patientenfürsprecher in Kliniken und Patientenvertreter in den Schiedsstellen werden flächendeckend benötigt.