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Deutschland/Welt Pakistans Staatsoberhaupt auf Europa-Besuch - Opfer wütend
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Pakistans Staatsoberhaupt auf Europa-Besuch - Opfer wütend
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09:57 07.08.2010
Gentlemen-Treffen weit weg von Flut und Terror: Großbritanniens Premier David Cameron (rechts) empfängt Pakistans Präsident Asif Ali Zardari. Quelle: afp

Das Staatsoberhaupt des unter Wasser stehenden südasiatischen Landes hatte vor der Visite angekündigt, er müsse sein Gegenüber über die Feinheiten des Anti-Terror-Kampfes „erziehen“.

Eine politische Lehrstunde benötigt freilich in erster Linie Zardari – über die innenpolitische Dynamik seines Landes. Denn der Europa-Besuch zu Zeiten der Flutkatastrophe entpuppt sich als der größte politische Fehler in der skandalreichen Lebensgeschichte des Witwers der Ende 2007 ermordeten Benazir Bhutto. Die Volksseele in Pakistan kocht. „Wir haben alles verloren“, lautet die tausendfach geäußerte Beschwerde von Opfern der schlimmsten Flut des Landes seit 80 Jahren, „während Zardari in Europa lustwandelt. Wir einfachen Leute sind den Politikern egal.“

Der Vorwurf stellt für den überwiegenden Teil des rund 160 Millionen Einwohner zählenden, politisch von halbfeudalen Großgrundbesitzern dominierten Landes nichts Neues dar. Aber angesichts der Katastrophe, die vor allem Menschen in den Regionen betrifft, in denen radikalislamische Untergrundgruppen aktiv sind, rütteln solche Anklagen an den Pfeilern der schwachen und ohnehin diskreditierten Demokratie. Die Flut und Zardaris Reise nach Europa sind sozusagen Wasser auf die Mühlen der Propaganda der pakistanischen Talibanmilizen und verbündeter Mullahs in vielen Moscheen, wonach Politiker nur ihre eignen Interessen verfolgen würden.

Der Vorwurf trifft auch die Militärs des Landes, der einzigen, während der Katastrophe halbwegs funktionierenden Institution. Denn einer der ersten Schritte der Streitkräfte nach der Vertreibung der Talibanmilizen aus dem Swat-Tal im vergangenen Jahr war die Wiederherstellung alter Verhältnisse. Die Soldaten vertrieben Bauern von dem Land, das die Taliban während ihrer kurzen Herrschaft in Swat an sie umverteilt hatten. Radikale Mullahs in den Moscheen der großen Städte lassen ebenfalls keine Gelegenheit aus, die Ausbeutung durch Großgrundbesitzer anzuprangern.

Bislang führte das Versprechen von der Umverteilung des Wohlstands noch nicht zu einem Aufstand der Bevölkerung. Aber die Anfang 2008 ins Amt gewählte Zivilregierung, die eine neunjährige Militärdiktatur unter General Pervez Musharraf ablöste, schien schon vor der Katastrophe entschlossen, ihren Gegnern Argumente frei Haus zu liefern.

Im ersten Jahr verabschiedete das Parlament sage und schreibe nur ein einziges Gesetz. Wirtschaftlich musste die gewählte Regierung seit 2008 überwiegend die Fehler der Militärs ausbaden. Musharraf hatte die Grundlage für die rasante Inflation und eklatante Energieknappheit des Landes gelegt. Nur der Düngemittelsektor kennt keine Engpässe. Die Politiker, die größtenteils auch Großgrundbesitzer sind, benötigen sie für ihre Landwirtschaft.

Sie fühlen sich dennoch sicher, weil sie auf die Unterstützung des Westens zählen. Im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes gegen radikalislamische Extremisten am Indus und in Afghanistan sind die diskreditierten Politiker Pakistans neben den Militärs die einzigen infrage kommenden Partner. Man braucht nicht viel Phantasie für die Erkenntnis, dass es trotz Hubschraubereinsätzen und Millionen von Hilfsdollar des Westens schwierig sein wird, mit Islamabad im Bunde viel Sympathien bei der Bevölkerung zu gewinnen.

Dennoch wird die Flutkatastrophe Pakistan nicht an den Rand des Zusammenbruchs bringen. Militärchef Ashfaq Pervez Kayani, dessen Amtszeit gerade für weitere drei Jahre verlängert wurde, hegt zwar nicht den größten Respekt für die Politiker. Aber allen Indizien zufolge scheint er wenig Lust auf eine Machtübernahme durch die Militärs zu hegen.

Willi Germund

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