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Deutschland/Welt Opposition meldet Tod von Mussawi-Neffen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Opposition meldet Tod von Mussawi-Neffen
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16:48 27.12.2009
Iranische Demonstranten bringen in Teheran einen Verletzten in Sicherheit.
Iranische Demonstranten bringen in Teheran einen Verletzten in Sicherheit. Quelle: afp
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Bei Massenprotesten der Regierungsgegner im Iran sind nach Angaben der Opposition am Sonntag mehrere Demonstranten getötet worden, unter ihnen ein Neffe von Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi. Das meldeten die Internet-Seiten Parlemannews und Rahesabs. Zehntausende Demonstranten beteiligten sich am Wochenende trotz eines Großeinsatzes der Sicherheitskräfte an einer der größten Protestaktionen seit dem Sommer.

Sejed Ali Mussawi sei gegen Mittag von einer Kugel nahe am Herzen getroffen worden und nach seiner Einlieferung in das Ebnesina-Krankenhaus gestorben, berichtete Parlemannews. Demnach eilten seine Eltern sowie sein Onkel Mir-Hossein Mussawi in das Krankenhaus. Laut Parlemannews erlitt Mussawis Neffe die tödliche Verletzung bei Protesten nahe des zentralen Enghelab-Platzes.

Mir-Hossein Mussawi hatte bei der umstrittenen Präsidentschaftswahl im Juni gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad verloren. Während der wochenlangen Proteste gegen dessen Wiederwahl hatte Mussawi das Wahlergebnis immer wieder in Frage gestellt und der Führung in Teheran Wahlbetrug vorgeworfen. Bei den damaligen Protesten wurden nach offiziellen Angaben 36 Menschen getötet, nach Angaben der Opposition sogar 72.

Zehntausende Gegner Ahmadinedschads gingen am Sonntag erneut in Teheran auf die Straßen. Dabei wurden nach ersten Angaben der oppositionellen Internet-Seite Rahesabs vier Demonstranten erschossen: Drei der vier Getöteten seien von „direkten Schüssen“ der Sicherheitskräfte getroffen worden, hieß es bei Rahesabs unter Berufung auf einen eigenen Reporter, der dies mitangesehen habe. Auch seien mehrere Polizisten verletzt worden.

Die Lage in Teheran war stundenlang völlig unübersichtlich. Die Sicherheitskräfte, die von den regierungstreuen Bassidsch-Milizen unterstützt wurden, setzten nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein, von Seiten der Demonstranten wurden Steine geworfen und Barrikaden errichtet. Mehrere Polizeifahrzeuge wurden den Berichten zufolge in Brand gesetzt.

Über die Zahl der Opfer sowie der Festnahmen lagen am Sonntagnachmittag keine gesicherten Informationen vor. Die Polizei bestritt die Angaben über die getöteten Demonstranten. „Bislang habe wir keine Informationen über Menschen, die von der Polizei getötet wurden“, sagte der Polizeichef von Teheran, Asisollah Radschabsadeh, den Agenturen Isna und Fars.

Auch in den Städten Isfahan, Nadschafabad, Schiras und Babol habe es gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, berichtete Rahesabs. Unter Bezug auf das islamische Aschura-Fest skandierten die Demonstranten in Teheran: „Es ist der Monat des Bluts, die Bassidsch werden fallen!“ Die Opposition machte sich das Aschura-Fest zunutze - da aus diesem Anlass ohnehin zahlreiche Menschen in den Straßen sind, werden Polizeieinsätze gegen Demonstranten erschwert.

An verschiedenen Stellen der Hauptstadt versammelten sich immer wieder in kürzester Zeit große Menschenmengen. In geringerem Umfang hatte es auch am Samstag schon Kundgebungen der Opposition gegeben. Das Aschura-Fest erinnert an Leiden und Tod des Begründers der schiitischen Glaubensrichtung, Imam Hussein.

Auf dem Höhepunkt der Proteste war im Sommer die Studentin Neda Agha-Soltan erschossen worden. Die Londoner „Times“ kürte die 26-Jährige nun zur „Person des Jahres“.

afp