Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Opposition in Kirgistan verkündet Regierungsübernahme
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Opposition in Kirgistan verkündet Regierungsübernahme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:31 08.04.2010
Die Opposition in Kirgistan in Zentralasien hat nach eigenen Angaben die Macht in der Hauptstadt Bischkek übernommen. Quelle: dpa
Anzeige

Parlament, Regierungssitz, Polizei und Medien sowie der Flughafen würden nun von den Gegnern des autoritären Präsidenten Kurmanbek Bakijew geführt. Das meldete die kirgisische Agentur Akipress am Donnerstag. Die Opposition hatte am Vorabend den Sturz der Führung in Bischkek verkündet und eine Übergangsregierung unter Leitung der früheren Außenministerin Rosa Otunbajewa gebildet. Bakijew soll auf der Flucht sein und sich im Süden des Landes in Osch aufhalten.

Nach Angaben der Opposition stabilisiert sich die Lage. Oppositionsführer Omurbek Tekebajew sprach im Fernsehen erneut von etwa 100 Toten bei den Unruhen am Mittwoch in Bischkek. Das Gesundheitsministerium bestätigte am Donnerstagmorgen zunächst 65 Todesfälle. Insgesamt seien bei den gewaltsamen Ausschreitungen im Norden der Ex-Sowjetrepublik an der Grenze zu China mehr als 500 Menschen verletzt worden. Allein in Bischkek habe es 40 schwere Brände gegeben. Bakijews Gegner hatten Regierungsgebäude und Fahrzeuge mit Brandsätzen angezündet.

Anzeige

Kirgisische Medien berichteten von schweren Plünderungen in Geschäften, Unternehmen und Museen. Die von der Opposition ernannte neue Regierungschefin Otunbajewa schrieb in einem Twitter-Eintrag, dass zunächst Bürgerpatrouillen eingerichtet werden sollen. Die 59-Jährige hatte bereits die Tulpenrevolution vor fünf Jahren angeführt, als Bakijew an die Macht kam. Otunbajewa war im Streit um die Ausrichtung des Landes aber zur Opposition übergetreten. Sie kündigte an, dass die Übergangsregierung zunächst sechs Monate arbeiten wolle, um eine neue Verfassung zu erarbeiten.

Die am Dienstag begonnenen Massenproteste gegen Bakijew in Talas und dann auch in anderen Orten waren blitzschnell in gewaltsame Ausschreitungen zwischen Polizei und Regierungsgegnern umgeschlagen. Die Proteststimmung im Land ist wegen der bitteren Armut nach Einschätzung von Beobachtern extrem hoch.

Russland, das traditionell einen starken Einfluss besonders im Norden des Landes hat, wies eine Schuld an dem Blutbad zurück. Kirgistan hatte auch die populären russischen Staatsmedien, die kritisch über Bakijew berichten, mit verantwortlich gemacht für die Eskalation. Bakijews Behörden vermuten ausländische Geldgeber hinter den Krawallen. Kremlchef Dmitri Medwedew bezeichnete Kirgistan nach dem Machtkampf weiter als Partner.

Die USA, die nahe Bischkek eine Militärbasis zur Versorgung ihrer Truppen in Afghanistan nutzen, appellierten an die Seiten, weitere Gewalt zu vermeiden. Auch die EU und die UN sowie Nachbarland China riefen alle Seiten zur Besonnenheit auf.

dpa