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Deutschland/Welt Opposition: Fast 70 Tote bei Protesten
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Opposition: Fast 70 Tote bei Protesten
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18:12 11.08.2009
Bei Protesten gegen die Präsidentschaftswahl im Iran sind nach Angaben der Opposition 69 Menschen getötet worden. Quelle: Atta Kenare/AFP
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Der noch inhaftierten Französin Clotilde Reiss stehen offenbar Hafterleichterungen bevor.

Eine Liste mit den Namen von 69 Toten und 220 Inhaftierten sei einem parlamentarischen Sonderausschuss übergeben worden, sagte ein Verbündeter des unterlegenen oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Mussawi am Dienstag der Reform-Zeitung „Sarmajeh“. Die Behörden gaben die Zahl der Toten bisher mit rund 30 an.

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Justizsprecher Aliresa Dschamschidi sprach unterdessen von noch 300 Inhaftierten. Bei den Unruhen seien 4000 Menschen verhaftet worden, von denen die meisten „sehr schnell“ wieder entlassen worden seien, sagte er. Bislang war offiziell von 2000 Festnahmen die Rede gewesen.

Die französische Regierung teilte mit, Nasak Afschar, eine Mitarbeiterin der Kulturabteilung der Botschaft in Teheran, sei freigelassen worden. Staatspräsident Nicolas Sarkozy habe nach ihrer Freilassung bereits mit der Franko-Iranerin telefoniert. Paris hatte Afschars Freilassung gefordert.

Der seit sechs Wochen inhaftierten Französin Clotilde Reiss boten die Behörden nach Angaben des iranischen Botschafters in Frankreich, Sejed Mehdi Mirabutalebi, Hafterleichterungen an. Die Bedingung dafür sei, dass die 24-Jährige in der französischen Botschaft in Teheran untergebracht werde, sagte der Botschafter dem Auslandssender Radio France International (RFI).

Das französische Außenamt äußerte sich nicht zu den Angaben. Die Regierung in Paris hatte zuvor aber von ersten Anzeichen für eine mögliche Freilassung von Reiss gesprochen. Reiss steht vor Gericht, weil sie nach Darstellung der iranischen Justiz spioniert und nach der Wahl zu Protesten aufgestachelt haben soll. Die Lektorin hatte seit Februar in der Islamischen Republik gearbeitet und war am 1. Juli festgenommen worden. Im Iran stehen mehr als hundert Teilnehmer der Proteste gegen die Präsidentschaftswahl vor Gericht.

Unterdessen ging der Machtkampf in der iranischen Führung in eine nächste Runde. In einem im Parlament in Teheran verlesenen Brief warnten 202 Abgeordnete Ahmadinedschad, sein Kabinett müsse aus „erfahrenen“ Mitgliedern mit „revolutionärem Geist“ bestehen. Bereits kurz nach seiner Wiederwahl war Ahmadinedschad wegen mehrerer umstrittener Entscheidungen von iranischen Hardlinern heftig kritisiert worden. Ahmadinedschad soll kommende Woche seine Regierungsmannschaft vorstellen.

afp