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Deutschland/Welt Oettinger reist nach Aserbaidschan
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Oettinger reist nach Aserbaidschan
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14:32 10.08.2009
Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Quelle: Michael Latz/ddp (Archiv)
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Und er begibt sich auf die Spuren von Schwaben, die sich einst unter Zar Alexander I. dort angesiedelt hatten. Fußball ist also nicht der Grund für die viertägige Tour in den Südkaukasus, trotz des WM-Qualifikationsspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan am Mittwoch in der Hauptstadt Baku.

Heinz Peters reist nicht zum ersten Mal mit Oettinger in den Osten. Der Geschäftsführer der Firma Rotech in Ettlingen war vor einigen Monaten schon bei einer Reise nach Moskau dabei, um seine Produkte bekannt zu machen, die er unter dem Begriff „Hightech in Rotation“ zusammenfasst. Normalerweise beliefert er vor allem Chemieriesen wie BASF mit Zubehör, damit Gase oder Flüssigkeiten schneller durch Leitungen fließen können. Auch Bierbrauer nutzen seine Technik zur Automatisierung von Armaturen in Leitungen.

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Nach Aserbaidschan zieht es Peters im Zusammenhang mit dem Projekt „Nabucco“. Mit der geplanten Erdgas-Pipeline von der Türkei nach Österreich will sich Europa unabhängiger vom russischen Lieferanten Gazprom machen. Auch aus Aserbaidschan soll das Gas dafür kommen - folglich wittert Peters gute Geschäfte. „Wir wären froh, wenn wir einen Brocken abbekommen“, sagt der Unternehmer. Ob „Nabucco“ eines Tages tatsächlich verwirklicht wird, ist allerdings fraglich. Ein Abkommen zum Bau der Pipeline wurde zwar im Juli unterzeichnet, aber es bestehen Zweifel, ob sich die Investitionen rentieren.

„Nabucco ist ein Fernziel“, sagt Otto Hauser, Vorsitzender des Vereins „Deutsch-Aserbaidschanisches Forum“ in Berlin und einst Regierungssprecher unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Da müsse noch „an vielen Schräubchen gedreht werden“. Hauser hält Aserbaidschan aber auch ungeachtet der Pipeline für ein interessantes Pflaster. „Milliarden“ würden dort in die Infrastruktur investiert. Für baden-württembergische Unternehmen als Hightech-Lieferanten sei da einiges drin. „Wir wollen eine Zusammenarbeit kreieren“, betont Hauser.

Nach Zahlen der Bundesgesellschaft für Außenwirtschaft „Germany Trade and Invest“ gehörte Aserbaidschan auch im Krisenjahr 2008 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um real 10,8 Prozent zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit. Die meisten Geschäfte werden mit Öl und Gas gemacht, Maschinen, Fahrzeuge und andere Güter müssen dagegen importiert werden.

Unproblematisch sind Geschäfte mit Aserbaidschan nicht. Wie fast überall auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ist Korruption weit verbreitet. Im jüngsten Ranking der Organisation „Transparency International“ befindet sich das Land zusammen mit afrikanischen Staaten wie Gambia und Angola auf Rang 158. Von zehn möglichen Punkten gab es für Aserbaidschan gerade mal 1,9 Punkte. Bei der Reise dürfte dies aber höchstens am Rande thematisiert werden. In Aserbaidschan warte man nicht auf Belehrungen aus Deutschland, heißt es. Die Regierung dort habe sich die Bekämpfung der Korruption selbst zum Ziel gesetzt.

Auf Oettingers Reiseprogramm stehen neben politischen Gesprächen, bei denen er womöglich auch Staatspräsident Ilham Alijew begegnet, auch ein Treffen mit dem Präsidenten der aserbaidschanischen Erdölgesellschaft SOCAR, Rovnag Abdullayev, und die Eröffnung eines Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsforums. Der Ministerpräsident setzt damit eine Einladung aus dem Jahr 2007 um. Teil zwei der Reise ist den historischen Verbindungen zwischen Deutschland und Aserbaidschan gewidmet. Im Landesinneren besucht Oettinger die ehemalige deutsche Siedlung Helenendorf - das heutige Göygöl. Deutsche Spuren sind dort noch überall zu sehen.

Auch das WM-Qualifikationsspiel Aserbaidschan - Deutschland lässt sich der Fußballspieler Oettinger nicht entgehen. Auf Einladung des aserbaidschanischen Fußballverbandes ist die Delegation Gast im Stadion von Baku. Es ist die erste Begegnung zwischen den beiden Mannschaften überhaupt und zugleich ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Seit April 2008 trainiert der frühere deutsche Nationaltrainer Berti Vogts Aserbaidschans Elf.

ddp