Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Obama und Romney gehen sich hart an
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Obama und Romney gehen sich hart an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:24 11.04.2012
Von Stefan Koch
Mitt Romney sieht ein „völliges Versagen“ des Amtsinhabers in Wirtschaftsfragen. Quelle: dpa
Anzeige
Washington

Dass ausgerechnet über das Osterwochenende die Entscheidung fallen sollte, wer für die "Grand Old Party" in den Wahlkampf um das Weiße Haus zieht, hatten viele Politik-Strategen in Washington überrascht. Sie waren fest davon ausgegangen, dass Santorum zumindest noch die parteiinternen Vorwahlen in Pennsylvania in zwei Wochen abwarten würde, also in dem Bundesstaat, für den er lange Jahre als Senator tätig war. Nachdem einige Umfragen jedoch in den vergangenen Tagen signalisierten, dass der streng Konservative auch in seiner alten Heimat dem Favoriten Romney unterliegen könnte, warf Santorum am Dienstagabend das Handtuch. Vor seinen Anhänger in Gettysburg sagte der 53-Jährige: "Das Rennen ist für mich aus."

Auch wenn die beiden Mitbewerber Newt Gingrich und Ron Paul weiterhin um Delegiertenstimmen werben und darauf setzen, den Parteitag der Republikaner im August für sich zu gewinnen, gilt die Kandidatensuche nunmehr als ausgemacht.

Anzeige

Santorum, der sich mit radikalen Positionen bei Abtreibungen, Verhütungsmitteln und religiösen Fragen einen Namen gemacht hatte, blieb in den vergangenen Wochen der einzige Kandidat, der dem eigentlichen Favoriten Romney gefährlich werden konnte. Dass er auch in der Stunde seines Rückzugs kein Wort über den Quasi-Sieger Romney verlor und davon sprach, "dass der Kampf nicht verloren ist", wird in Washington aufmerksam registriert: Sollte Obama am 6. November der Wiedereinzug ins Weiße Haus gelingen, könnte Santorum bei der darauffolgenden Wahl durchaus wieder ins Rennen einsteigen. In konservativen Medien wie Fox News wurde am Mittwoch darüber spekuliert, dass Santorums Rückzug vielleicht auch private Hintergründe haben könnte, da seine dreijährige Tochter unter einer seltenen Krankheit leidet und am Karfreitag in ein Krankenhaus eingeliefert wurde.

Seine Anhängerschaft könnte der "Jesus-Kandidat" sicherlich schnell wieder aktivieren. Immerhin war es dem strenggläubigen Politiker in diesem Jahr gelungen, seinen Parteifreund Romney hartnäckig zu bedrängen und ihn letztendlich dazu zu bringen, ebenfalls schärfere Positionen einzunehmen. Eine Strategie allerdings, die für die gesamte Partei nach hinten losgehen könnte: Die Mehrheit der Wähler - das zeigen jüngste Umfragen ebenso wie vergangene Wahlen - ist für diese radikalen Ansichten in gesellschaftlichen Fragen nicht zu haben. Die Wahlen werden vielmehr in der Mitte gewonnen. 

Romney wiederum ist nun in einer eher unkomfortablen Lage: Um die einflussreichen Evangelikalen und die Tea-Party-Anhänger nicht zu verprellen, hob er am Dienstag das Engagement seines bisherigen Widersachers hervor. Santorum werde auch in Zukunft eine Rolle in der Partei und in dem Land spielen, sagte Romney bei einem Besuch eines Stahlwerks in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Gleichzeitig muss er sich nach der parteiinternen Vorentscheidung aber wieder mehr um die gemäßigten Wähler bemühen, will er das Weiße Haus gewinnen. Ihm dürfte bewusst sein, dass bei den Vorwahlen der Republikaner letztendlich nur ein Bruchteil der Wählerschaft ihre Stimme abgibt.

Um die aufgeheizte Stimmung etwas zu dämpfen, übt sich der bekennende Mormone bereits in einem geradezu präsidialen Ton: "In diesem Wahlkampf sind wir Republikaner und Demokraten. Aber uns eint das Schicksal als Amerikaner", sagte Romney. Sein Anliegen sei es, mehr Menschen in Lohn und Brot zu bringen und die Wirtschaftslage wieder deutlich zu stabilisieren. Ehrgeizige Vorhaben, die ein großer Teil der Wähler dem früheren Finanzmanager durchaus zutrauen. Während Obama in der Beliebtheitsskala regelmäßig führt, wird dem 65-jährigen Multimillionär die größere Wirtschaftskompetenz zugesprochen.

Der Chef im Weißen Haus versuchte denn auch am Dienstag, genau bei diesem Thema dagegen zu halten: Vor Studenten in Florida beklagte Obama die zunehmende Spaltung der Gesellschaft. Es dürfe nicht sein, dass die Belastungen für niedrige und mittlere Einkommen wachsen, während die Reichen von günstigen Steuertarifen profitierten. In einer zweiten Amtsperiode wolle er sich daher dafür einsetzen, dass Einkommensmillionäre einen Steuersatz von mindestens 30 Prozent zu zahlen hätten. Diese nach dem Milliardär Warren Buffett benannte Regel sei geradezu zwingend, um wieder für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

Ebenso wie Romney bemüht auch Obama zunehmend starke Worte: Die Präsidentschaftswahl in diesem Jahr sei eine Grundsatzentscheidung über die gesellschaftliche Entwicklung Amerikas. Es gehe um verschiedene "Visionen".

Dass Obama diese Auseinandersetzung mit aller Macht gewinnen will, zeigt auch sein emsiges Spendensammeln: Laut jüngster Erhebungen stehen seinem Wahlkampfteam umgerechnet bereits knapp 70 Millionen Euro zur Verfügung, dagegen kommen Romneys Anhänger bisher nur auf ein Zehntel dieser Summe. Der Republikaner mag die Kandidatensuche mit großer Wahrscheinlichkeit gewonnen haben, doch der größte Gegner steht ihm erst noch bevor.