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Deutschland/Welt Obama reagiert mit Bescheidenheit auf Friedensnobelpreis
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Obama reagiert mit Bescheidenheit auf Friedensnobelpreis
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16:34 09.10.2009
US-Präsident Barack Obama ist mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
US-Präsident Barack Obama ist mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Quelle: ddp
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Obama habe als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen, begründeten die Juroren am Freitag ihre Entscheidung. 108 Jahre lang habe das norwegische Nobelpreis-Komitee versucht, genau jene internationale Politik anzuregen, für die Obama weltweit nun der Wortführer sei. Besonderes Augenmerk hatte das Gremium auf Obamas Bemühungen für eine atomwaffenfreie Welt gelegt.

Obama selbst reagierte mit Erstaunen auf die Auszeichnung. „Ich bin sowohl überrascht als auch demütig angesichts der Verleihung des Nobelpreises“, sagte der US-Präsident. Er sehe darin keine Auszeichnung seiner eigenen Verdienste, sondern eher eine Bekräftigung der amerikanischen Führungsrolle hinsichtlich „der Bestrebungen aller Nationen nach Frieden“. Nach Angaben des TV-Senders CBS wandte sich Regierungssprecher Robert Gibbs direkt nach Bekanntgabe der Auszeichnung in einer E-Mail mit einem Wort an den Sender: „Wow“.

In Deutschland wurde die Entscheidung des norwegischen Nobel-Komitees parteiübergreifend begrüßt. Führende Politiker werteten die Auszeichnung als Ermutigung für den von Obama eingeschlagenen Weg multilateraler Verständigung. Bundespräsident Horst Köhler sprach Obama seine Glückwünsche aus und zeigte sich erfreut, dass das Engagement des US-Präsidenten für die friedliche Zusammenarbeit zwischen Staaten und Völkern gewürdigt werde. Köhler versicherte dem amerikanischen Präsidenten in einem Schreiben: „Auf Deutschland können Sie immer zählen.“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Obama. Es sei ihm in ganz kurzer Zeit gelungen, „weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen“. Der Nobelpreis sei „Ansporn für den US-Präsidenten und für uns alle“, sagte Merkel. Ähnlich äußerte sich FDP-Chef Guido Westerwelle. Er mahnte, „Barack Obamas ausgestreckte Hand sollte von all jenen ergriffen werden, die bislang leider noch nicht bereit waren, das Fenster der Gelegenheit zu nutzen.“

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnete die Auszeichnung als Appell an alle, an der Vision einer atomwaffenfreien Welt zu arbeiten. Die Grünen verwiesen auf die Erwartungen für Frieden, Abrüstung, und den Klimaschutz hervor, die Obama verkörpere. Die Auszeichnung bestärke die Erwartung, dass der amerikanische Präsident an seinen Zielen festhalte, erklärten die Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Nach Auffassung der Linken ist Obamas Bemühen um eine atomwaffenfreie Welt ein „richtiger Ansatz“. Dies sei aber nur zu erreichen, „wenn die USA selbst mit der atomaren Abrüstung beginnen“, machten Linke-Chef Oskar Lafontaine und Linksfraktionschef Gregor Gysi deutlich.

Kritik kam hingegen von der Friedensbewegung. Die Sprecher des Bundesausschuss Friedensratschlag, Lühr Henken und Peter Strutynski, sprachen von einem „kolossalen Fehlgriff“ des Nobel-Komitees und einem „irritierenden Zeichen“ an die Welt. Sie verwiesen auch darauf, dass Obama dem US-Kongress den höchsten Militäretat in der US-Geschichte vorgelegt und mehr Truppen für Afghanistan angekündigt habe.

89 Friedensnobelpreise wurden seit 1901 vergeben. In diesem Jahr wurden 205 Nominierungsvorschläge eingereicht, mehr als je zuvor. vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den früheren finnischen Präsident Martti Ahtisaari. Er wurde für seine Vermittlerdienste in verschiedensten Konflikten auf der Welt geehrt.

ddp