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Deutschland/Welt Obama räumt Mitverantwortung ein
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18:04 08.01.2010
„Wenn das System  versagt, ist das meine Verantwortung“, erklärte Obama.
„Wenn das System versagt, ist das meine Verantwortung“, erklärte Obama. Quelle: AP
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US-Präsident Barack Obama hat eine Mitverantwortung für die Sicherheitspannen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Flugzeuganschlag bei Detroit übernommen. Vor dem Anschlagsversuch am ersten Weihnachtstag hätten genügend Hinweise vorgelegen, die aber nicht miteinander verknüpft worden seien, kritisierte Obama. „Wenn das System versagt, liegt das in meiner Verantwortung“, erklärte der Präsident am Donnerstag im Weißen Haus.

Obama bekräftigte zugleich seine Entschlossenheit, den Kampf gegen den Terror fortzusetzen, den er - für ihn ungewohnt - als Krieg bezeichnete. „Wir sind im Krieg, wir sind im Krieg gegen Al Kaida“, sagte der Präsident. „Wir werden tun, was auch immer nötig ist, um sie zu besiegen.“ Obama übernahm damit ein Stück weit die Rhetorik seines Vorgängers George W. Bush.

In seiner Erklärung zum vorläufigen Bericht über die Sicherheitspannen wies er die Geheimdienste an, die Zuständigkeiten für die sofortige Überprüfung von Hinweisen auf eine mögliche terroristische Bedrohung klar festzulegen. Außerdem sollen weitere Kontrollmöglichkeiten an Flughäfen entwickelt und Geheimdienstberichte verstärkt geprüft werden. Einem Gewährsmann zufolge sollen in Flugzeugen zudem mehr sogenannte Air Marshals im Einsatz sein. Bislang gibt es 4.000 von ihnen, bei 29.000 Inlands- und internationalen Flügen täglich in den USA.

Personelle Konsequenzen kündigte Obama nicht an. Dem Bericht zufolge gab es eine ganze „Reihe von menschlichen Fehlern“. Die Fehler hätten aber nicht bei einem Einzelnen oder einer einzelnen Organisation gelegen, sondern im System, sagte Obama. Zu den vom ihm angekündigten Änderungen zählen eine stärkere internationale Zusammenarbeit, neue Regeln für Terrorlisten und eine schnellere Verteilung von Geheimdienstberichten. Eine „idiotensichere Lösung“ beim Thema Terrorabwehr sei aber nicht möglich, erklärte der Präsident.

Obama hatte die Geheimdienste bereits am Dienstag scharf kritisiert, weil sie lange vor dem Anschlagsversuch in Detroit bekannte Informationen über den verhinderten Attentäter nicht zusammengeführt hätten. Der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab war seit Ende November in einer US-Datenbank mit rund 550.000 Terrorverdächtigen registriert. Erste Informationen über ihn lagen dem Bericht zufolge sogar schon im Oktober vor.

Der US-Grenzschutz erhielt erst Hinweise auf mögliche Terrorverbindungen des Mannes, als dieser bereits in der Luft war, wie aus dem Pannen-Bericht hervorgeht. Demnach sollte Abdulmutallab unmittelbar nach der Landung der aus Amsterdam kommenden Maschine der Northwest Airlines näher überprüft werden.

Gegen den 23-Jährigen wurde am Mittwoch Anklage erhoben, eine Gerichtsanhörung war für Freitag, 8. Januar, vorgesehen. Ihm werden versuchter Mord und die Nutzung einer Massenvernichtungswaffe vorgeworfen. Er hatte versucht, an Bord des Flugzeugs mit fast 300 Insassen einen Sprengsatz zu zünden.

Im Gefolge des Anschlags war am vergangenen Sonntag ein Terminal des Flughafens Newark für mehrere Stunden gesperrt worden, weil ein Unbekannter ohne Kontrollen in den Sicherheitsbereich gelangt war. Für den Zwischenfall war nach jüngsten Informationen ein Wachmann mitverantwortlich, der seinen Arbeitsplatz kurzzeitig verlassen hatte. Auf Bildern von Überwachungskameras ist zu sehen, wie ein Unbekannter die Abwesenheit des Angestellten nutzt, um in den Sicherheitsbereich zu gelangen und dort eine Frau zu treffen. Die Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) ermittelt gegen den Wachmann.

ap

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