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Deutschland/Welt Obama hält Trauerrede für Kennedy
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08:31 27.08.2009
US-Präsident Barack Obama Quelle: afp/Samad
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Zuvor ist in der US-Ostküstenstadt Boston ein Trauergottesdienst geplant, auf dem auch US-Präsident Barack Obama sprechen soll. Zu Ehren des Verstorbenen war am Mittwoch an Regierungsgebäuden im ganzen Land auf Halbmast geflaggt.

Ted Kennedy war am Dienstag auf dem Anwesen seiner Familie in Hyannis Port im US-Bundesstaat Massachusetts gestorben, er erlag einem bösartigen Hirntumor. Die Nachricht vom Tod des demokratischen Politikers, der auch als „liberaler Löwe“ bekannt wurde, löste weltweit Trauer und Bestürzung aus. Vor dem Anwesen der Kennedys drängten sich am Mittwoch mehr als hundert Journalisten. Die Polizei riegelte den Zugang zum Gelände ab, trauernde Bürger legten Blumen an den Absperrungen nieder.

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Kennedys Angehörige sollten den Sarg am Donnerstag in einem Trauerzug nach Boston geleiten. Dort wird der Leichnam ab Freitag (10 Uhr Ortszeit, 16 Uhr MESZ) in der John-F.-Kennedy-Bibliothek aufgebahrt. Am Nachmittag (23 Uhr MESZ) soll dort eine private Trauerzeremonie stattfinden. Am anschließenden Gottesdienst in der römisch-katholischen Basilika Our Lady of Perpetual soll nach Angaben der US-Regierung auch Obama teilnehmen und eine Trauerrede halten. Kennedy hatte in der Basilika einst täglich für die Genesung seiner krebskranken Tochter Kara gebetet.

Am Samstagnachmittag (23 Uhr MESZ) soll Kennedy auf dem Arlington-Nationalfriedhof an der Seite seiner Brüder, des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und des Senators Robert Kennedy, zur letzten Ruhe gebettet werden. Beide Kennedy-Brüder waren in den 60er Jahren Attentaten zum Opfer gefallen.
Nach Angaben der US-Regierung ist eine Teilnahme Obamas an der privaten Beisetzung nicht geplant. Kennedy war ein Freund und Förderer des Präsidenten und galt als wichtiger Verbündeter für dessen Pläne zur Reform des US-Gesundheitswesens. Auch seinen Einzug ins Weiße Haus verdankt Obama zu einem Teil dem einflussreichen Senator, der im Wahlkampf im vergangenen Jahr dem eher unbekannten Politiker überraschend seine Unterstützung aussprach.

Nach Kennedys Tod schworen führende Demokraten ihre Parteifreunde erneut auf die Gesundheitsreform ein. „Wir verpflichten uns aufs Neue auf die Gesundheitsreform“, sagte der demokratische Abgeordnete Chris Van Hollen. Kennedys Partei- und Senatorenfreund Robert Byrd forderte, zu Ehren des Verstorbenen Streitigkeiten um das Großprojekt beizulegen und eine „zivilisierte Debatte“ zu führen. Das Reformpaket solle, wenn es Gesetz geworden sei, nach Kennedy benannt werden. Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erinnerte an den Wahlparteitag der Demokraten vor rund einem Jahr, als Kennedy die Gesundheitsreform zum „Anliegen seines Lebens“ erklärte.

Mit Kennedys Tod wird es für Obama dennoch nicht einfacher, seine Reformpläne durchzusetzen: Im US-Senat fällt eine wichtige Stimme für das Projekt weg. Kennedys Sitz wird erst in rund fünf Monaten bei einer gesonderten Wahl in dem von ihm vertretenen Bundesstaat Massachusetts neu vergeben. Der Senator hatte vor seinem Tod vergeblich versucht, ein entsprechendes Gesetz so zu ändern, dass sein Sitz noch vor den entscheidenden Abstimmungen des Jahres besetzt werden könnte. Der dem linken Flügel der Demokraten zugerechnete Kennedy hatte sich stets für soziale Belange stark gemacht, vor allem die Bildung und das Gesundheitswesen.

afp