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Deutschland/Welt Neun Tote bei Angriff der Taliban auf UN-Gästehaus
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Neun Tote bei Angriff der Taliban auf UN-Gästehaus
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21:19 28.10.2009
Ein Polizist hilft einem der Verletzten.
Ein Polizist hilft einem der Verletzten. Quelle: afp
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Zehn Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Afghanistan haben drei Taliban-Kämpfer ein Gästehaus der Vereinten Nationen in Kabul attackiert und neun Menschen getötet. Unter den Todesopfern der knapp dreistündigen Belagerung am Mittwochmorgen waren nach UN-Angaben sechs ausländische UN-Mitarbeiter. Die Tat sorgte international für Bestürzung, Präsident Hamid Karsai sprach von einem „hasserfüllten“ Angriff.

Noch vor dem Morgengrauen stürmten die als Polizisten verkleideten Angreifer das Gästehaus in dem Geschäftsviertel Schar-e-Now. Im Gästehaus zündeten sie Zeugen zufolge Granaten. Die offenbar zu allem entschlossenen Angreifer schossen um sich, es entwickelte sich ein mehrstündiges Feuergefecht, an dessen Ende auch die drei Angreifer tot waren. Nach heftigen Explosionen stand das Gebäude in Flammen.

Ein Selbstmordattentäter habe eine Frau erschossen, die entkommen wollte, sagte John Christopher Turner, der sich zum Tatzeitpunkt in dem Gästehaus aufhielt. Eine weitere Frau sei nach den Explosionen an dem Qualm erstickt. „Sie schrie und weinte: ’Ich werde sterben’“, sagte der 62-Jährige. „Ich habe es selbst kaum geschafft.“

Nach Angaben der Vereinten Nationen kamen sechs ausländische UN-Mitarbeiter ums Leben, neun weitere wurden verletzt. Eines der Todesopfer stammte aus den USA; die Nationalität der anderen wurde zunächst nicht bekannt. Auch zwei Sicherheitskräfte wurden getötet. Die Polizei fand in dem Gebäude zudem eine verkohlte Leiche, die zunächst nicht identifiziert werden konnte.

Zu dem Angriff bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Die Attacke sei nur der „erste Schritt“ einer Kampagne der Gewalt gegen die zweite Runde der Präsidentenwahl, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Die Stichwahl zwischen Amtsinhaber Karsai und Herausforderer Abdullah Abdullah findet am 7. November statt. Am Wochenende hatten die Taliban mit Gewalttaten während der Abstimmung gedroht.

„Dieser Angriff wird die UNO nicht davon abhalten, ihre Arbeit beim Wiederaufbau des vom Krieg zerrütteten Landes zu leisten und allen Afghanen eine bessere Zukunft zu bieten“, sagte der Chef der UN-Mission in Afghanistan, Kai Eide. Zugleich kündigte er an, nach dem „brutalen Angriff“ sämtliche Sicherheitsmaßnahmen für die Mitarbeiter überprüfen zu lassen. Präsident Karsai wies die Sicherheitsfirmen an, die Vorkehrungen zum Schutz der internationalen Organisationen zu verstärken.

Die Europäische Union zeigte sich entsetzt von dem „unausstehlichen Terror-Angriff“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den „feigen Anschlag“ aufs Schärfste. Die UNO verwalte die Interessen der gesamten Staatengemeinschaft. „Ein Anschlag auf die Vereinten Nationen ist somit ein Angriff auf uns alle“, erklärte Merkel. Die italienische Regierung erklärte, dass die Tat den „demokratischen Prozess“ in Afghanistan nicht aufhalten werde.

Kurz nach dem Angriff auf das Gästehaus wurde in Kabul das Luxushotel Serena mit zwei Raketen beschossen. Laut Polizei wurden die Raketen über die Schutzmauern gefeuert und schlugen im Garten des Fünf-Sterne-Hotels ein. Niemand sei verletzt worden. In den vergangenen zwei Monaten wurden bei Anschlägen in Kabul insgesamt 62 Menschen getötet.

afp

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