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Deutschland/Welt Nato: Bündnis soll auch im Internet kämpfen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Nato: Bündnis soll auch im Internet kämpfen
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10:45 02.10.2010
„Bedrohliche Lücken im Nato-System“: Madeleine Albright.
„Bedrohliche Lücken im Nato-System“: Madeleine Albright. Quelle: ap
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Immer wieder gibt es Versuche, die Computer der Nato, auf denen Einsatzpläne lagern, anzuzapfen oder lahmzulegen. „Die meisten davon“, so heißt es im Bericht einer Expertengruppe unter Leitung der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright, die im Mai Vorschläge für eine neue Nato-Strategie vorlegte, „blieben unterhalb der Schwelle politischer Besorgnis.“

Das könnte sich den Fachleuten zufolge ändern. Während ein konventioneller militärischer Angriff im nächsten Jahrzehnt für unwahrscheinlich gehalten wird, tauchen bei den drei wahrscheinlichsten Bedrohungen neben einem nuklearen oder nicht nuklearen Raketenangriff und einer terroristischen Attacke auch Angriffe über das Internet auf. Al­brights Kommission empfahl dringend die „bedrohlichen Lücken“ im Nato-System zur Gefahrenabwehr aus dem Internet zu schließen.

Konkret schlug sie vor, die Überwachung kritischer Computernetze zu erhöhen, den Mitgliedstaaten bei der Aufrüstung ihrer Cyberabwehrprogramme unter die Arme zu greifen, ein entsprechendes Frühwarnsystem zu installieren und ein mobiles Expertenteam aufzubauen. Vor allem jedoch müsse „die Nato planen, ein umfassendes Arsenal von Cyberabwehrfähigkeiten aufzubauen – mit passiven und aktiven Elementen.“ Im Klartext: Das Bündnis soll auch selbst im Internet gegen potenzielle Gegner vorgehen können, wenn infolge eines Angriffs aus dem Internet der Bündnisfall nach Artikel 5 des Nato-Vertrags erklärt wurde.

Diese Punkte hat nun auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in seinen Entwurf für eine neue Grundlage der transatlantischen Allianz übernommen, die den 28 Mitgliedstaaten in den vergangenen Tagen zugeleitet wurden. Die Außen- und Verteidigungsminister werden das Papier bei ihrem Treffen am 14. Oktober in Brüssel beraten, ehe die neue Strategie beim Nato-Gipfel Mitte November in Lissabon von den Staats- und Regierungschef beschlossen werden soll.

Zurzeit bestimmen aber andere Auseinandersetzungen die heiße Gipfelvorbereitungsphase im Nato-Hauptquartier. Vor allem geht es da um die künftige Rolle der Atomwaffen.

Christopher Ziedler