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Deutschland/Welt Ministerpräsident kündigt Überprüfung aller Tagebauseen an
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ministerpräsident kündigt Überprüfung aller Tagebauseen an
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15:49 22.07.2009
Am Sonnabend war am Rande des Concordia-Sees ein großes Uferareal weggebrochen. Quelle: Ronny Hartmann/ddp
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Es gelte jetzt, alle bisherigen Festlegungen im Zusammenhang mit diesen künstlich angelegten Gewässern zu überprüfen, sagte Böhmer am Mittwoch. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) verfügt derzeit über keine Erkenntnisse über derartige Gefährdungen an anderen Orten.

Am Mittwoch wurde das Gebiet an der Bruchstelle, an der sich am Dienstag neue Risse aufgetan hatten, mit Zäunen abgesperrt. Bagger verhinderten an anderen Orten des Sees die Zufahrt zum Ufer. Das Baden und Bootfahren wurde inzwischen untersagt.

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Böhmer sagte weiter, die Katastrophe vom Wochenende werde Konsequenzen für die gesamte Tagebausanierung und die Anlage der Böschungswinkel haben. Wahrscheinlich müssten die Uferböschungen „noch abgeflachter sein“.

Der Leiter des Landesbergamtes Sachsen-Anhalt, Frank Esters, sagte, die Katastrophe von Nachterstedt sei nicht vorhersehbar gewesen. Nun werde untersucht, „ob ähnliche Gefahren und Szenarien woanders stattfinden können“. Besonders intensiv müssten dabei Tagebaulöcher geprüft werden, deren Böschungen aus Kippenmaterial bestünden und folglich nicht natürlich gewachsen seien.

Der Vorsitzende der LMBV-Geschäftsführung, Mahmut Kuyumcu, sagte:

„Wir wissen, dass es im Moment viele Fragen gibt. Diesen Fragen stellen wir uns, aber die Ursachen für das furchtbare Ereignis sind noch nicht bekannt.“ Das Unternehmen arbeite gemeinsam mit den Behörden daran, die Unfallursache so schnell wie möglich aufzuklären. Schlussfolgerungen für Nachterstedt und andere Standorte könnten erst danach gezogen werden.

Der Freiberger Hydrogeologe Broder Merkel hält eine Überprüfung aller gefluteten oder sich in der Flutung befindlichen Tagebaue auf mögliche Gefahren hin für möglich. Zu allen Revieren gebe es Gutachten von Fachleuten, die die jeweilige Situation einschätzten. Er schloss aber nicht aus, dass derartige Bewertungen subjektiv seien und auf damaligen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhten. Ein neuer Gutachter gelange möglicherweise zu einer anderen Risikoeinschätzung.

Dem Sprecher des sächsischen Oberbergamtes, Peter Horler, zufolge, kann noch nicht gesagt werden, ob nach der Auswertung des Unglücks von Nachterstedt neue generelle Anforderungen an die Böschungssanierung gestellt werden müssen.

Am vergangenen Sonnabend war am Rande des Concordia-Sees ein rund 50 000 Quadratmeter großes Uferareal weggebrochen. Die Suche nach den drei unter zwei Millionen Kubikmeter Erde Verschütteten wurde am Montag eingestellt. Sechs Doppelhaushälften und die nach dem Erdrutsch stehengebliebene Hälfte eines Doppelhauses dürfen nicht mehr betreten werden. Das Gebiet in Nachterstedt wurde vor etwa 120 bis 130 Jahren aufgeschüttet, die Häuser dort wurden ab 1936 errichtet.

ddp