Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Ministerin Schulze gegen Plastiktüten-Verbot
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Ministerin Schulze gegen Plastiktüten-Verbot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:42 17.05.2019
„Schnelle, scheinbar einfache Lösungen vergrößern oft nur das Problem“: Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa
Berlin

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat ihre Ablehnung gegenüber einem Verbot von Plastiktüten bekräftigt. „Schnelle, scheinbar einfache Lösungen vergrößern oft nur das Problem“, sagte die SPD-Politikerin im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Schulze begründete ihre Haltung mit Erfahrungen in Ländern, die ein Plastiktütenverbot erlassen haben: „Kenia hat die dünnen Plastikbeutel verboten. Stattdessen verwenden die Kenianer nun Beutel, die zwar aussehen, als wären sie aus Stoff, tatsächlich aber aus sogar schwieriger zu recycelndem Kunststoff bestehen.“

Lesen Sie auch: Weg vom Plastik: Welche Taschen sind echte Alternativen?

Sie setze lieber auf die Zusammenarbeit mit dem Handel: „In Deutschland haben wir mit dem Handel vereinbart, dass Plastiktüten etwas kosten. Seitdem haben die Deutschen den Plastiktütenverbrauch um zwei Drittel reduziert“, sagte Schulze.

Einer am Freitag bekannt gewordenen Studie zufolge verwendeten die Deutschen im vergangenen Jahr pro Kopf 24 Tüten – das waren fünf weniger als im Jahr zuvor, wie die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung ermittelt hat. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte kürzlich ein unverzügliches Verbot von Einwegplastiktüten gefordert.

Schulze zufolge müsse man jedoch an anderer Stelle ansetzen, um die globale Plastikflut einzudämmen, etwa bei der Regulierung des Kunststoffexports. Zudem sei Deutschland gefragt, Know-how in Schwellen- und Entwicklungsländer zu exportieren.

„In Indien und Südostasien sammeln die Menschen vielerorts ihren Müll zu Haufen und zünden ihn an. Was nicht verbrennt, landet in den Flüssen, von wo aus es ins Meer gelangt. Um also die Vermüllung der Meere in den Griff zu kriegen, müssen wir bei denen ansetzen, die keine Müllsammel- und Verwertungssysteme haben“, sagte Schulze. „Wir haben viel Wissen und Technologie in diesem Bereich – die gilt es zu exportieren“, forderte die Sozialdemokratin.

Schulze warnte zudem vor den Folgen eines Rechtsrucks in Europa für den Klimaschutz. „Rechte Parteien sind Leugner des Klimawandels. Ihr Erstarken ist gefährlich für Europa, den Klimaschutz und das Wohl der künftigen Generationen“, sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf die europäischen Parlamentswahlen in der kommenden Woche. „Ich finde es verantwortungslos, den Menschen Sand in die Augen zu streuen“, betonte Schulze.

Die Ministerin rief zu einer Stärkung des Umweltschutzes auf europäischer Ebene auf: „Ein klares Bekenntnis der EU zum Klimaschutz ist von großer Bedeutung. Schließlich brauchen wir die internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Klimakrise“, so Schulze im Gespräch mit dem RND.

Von Marina Kormbaki/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Randale von links – und von rechts: Seit 2017 stieg die Zahl der eingesetzten Bundespolizisten auf Mai-Demonstrationen auf ein Vielfaches. Ein Grund: Rechtsextremisten und Neonazis nutzen den Mai-Feiertag zunehmend als Bühne.

17.05.2019

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsbundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, hat in einem Interview gegen den Sozialstaat geholzt. Da versteht SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil keinen Spaß – und löst eine Welle im Netz aus.

17.05.2019

Wegen des verhängten Lieferstopps für Waffen und Kriegsgerät an Riad darf die Bremer Lürssen-Gruppe keine Patrouillenboote mehr nach Saudi-Arabien liefern. Jetzt hat das Unternehmen die Bundesregierung auf Schadensersatz verklagt – zur Überraschung einiger Politiker.

17.05.2019