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Deutschland/Welt Milliardenschaden durch Betrug Gesundheitswesen
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Milliardenschaden durch Betrug Gesundheitswesen
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08:46 13.09.2009
Betrug im Gesundheitswesen wird zunehmend zum Kostenfaktor.
Betrug im Gesundheitswesen wird zunehmend zum Kostenfaktor. Quelle: ddp
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An diesen Zahlen werde sich auch in Zukunft so schnell nichts ändern. Die Leidtragenden seien die Versicherten. Sie bezahlten das System, das sich aus ihren Beiträgen speist. „Nach unseren Fallzahlen ist die Korruption am meisten verbreitet im Hilfsmittelbereich wie Sanitätshäusern und Hörgeräteakkustiker sowie bei Arzneimitteln“, sagte Michels. Eine Schlüsselfigur spiele dabei auf der anderen Seite der Arzt, der an einer Schaltstelle sitze. Er stelle die Diagnose und verordne die Therapie. Damit bestimme er auch die Mittel, mit denen der Patient behandelt werde. „So verschreibt der Arzt zum Beispiel Medikamente eines bestimmten Herstellers, der ihm im Gegenzug Sachpreise schenkte.“

In anderen Fällen gingen Mediziner erpresserisch vor. „Sie forderten von Sanitätshäusern Geld, damit sie die Patienten zu ihnen schicken.“ So habe ein Venenspezialist aus Hannover mit einem Sanitätshaus in Bayern kooperiert. „Der hat dem Sanitätshaus einen Umsatz in Höhe von 300 000 Euro mit Kompressionsstrümpfen verschafft“, berichtet die Juristin. Der Venenspezialist habe Patienten keine Rezepte ausgestellt, sondern stattdessen seinen Patienten Kompressionsstrümpfe aus Bayern schicken lassen. „Der Arzt hat sicher einen Teil des Umsatzkuchens abbekommen.“

Auch Versicherte machen nach ihren Angaben keinen Halt vor unlauteren Mitteln. „Wir haben Fälle von Doktor-Hopping aufgedeckt.“ Dabei würden Patienten von Arzt zu Arzt laufen und Rezepte sammeln. „Die bringen sie zu einem Apotheker, der die Rezepte bei der Krankenkasse abrechnet. Für die Hälfte des Arzneimittelwertes erhalten sie dann Geld oder Sachwerte wie Kosmetika. Der Rest ist für den Apotheker“, erklärt Michels die Vorgehensweise.

Bei ihren Ermittlungen geht die Juristin internen wie externen Hinweisen von Staatsanwaltschaft, anderen Kassen sowie Bürgern nach. „Etwa zwei Drittel der Verdachtsfälle erweisen sich als begründet“, sagt Michels. Aktuell bearbeiteten sie und ihre Kollegen bundesweit rund 1500 Fälle.

lni