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Deutschland/Welt Merkel und Obama im Zentrum des G-8-Gipfels
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Merkel und Obama im Zentrum des G-8-Gipfels
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19:23 18.05.2012
Von Stefan Koch
Foto: US-Präsident Barack Obama will sich auf dem G8-Gipfel verstärkt dem weltenweiten Hungerproblem widmen.
US-Präsident Barack Obama will sich auf dem G8-Gipfel verstärkt dem weltenweiten Hungerproblem widmen. Quelle: dpa
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Camp David

Seine hochrangigen Gäste wolle er daher an diesem Wochenende für eine erneute Initiative zur weltweiten Hungerbekämpfung gewinnen. Als eine Art Vorgipfel verstand Obama am Freitag denn auch seine Gespräche mit den Regierungschefs aus Äthiopien, Benin, Ghana und Tansania, die sich ebenso wie international tätige Konzerne in diesem Bündnis gegen den Hunger engagieren sollen. Allen Beteiligten müsse bei diesem Prozess bewusst sein, dass es nicht allein um finanzielle Hilfen, sondern insbesondere um politische Reformen und um einen leichteren Zugang an Privatkredite gehe. Von Ungefähr kommt diese Initiative nicht: Bereits vor drei Jahren hatte sich die G-8-Runde auf eine milliardenschwere Stärkung der weltweiten Lebensmittelsicherheit geeinigt. Auch in diesem Jahr soll es gelingen, mehrere Millionen Menschen von der Geißel des Hungers zu befreien.

Trotz dieses diplomatischen Vorstoßes kurz vor dem Eintreffen der Gäste aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und Russland steht die eigentliche Agenda des Wochenendes längst fest. Die G-8-Staaten ringen um einen gemeinsamen Kurs in der Euro-Krise und suchen nach Wegen, das weltweite Wachstum zu stärken. Im Fokus dürfte die dramatische Entwicklung in Griechenland stehen sowie die Frage, wie sich der hohe Ölpreis bekämpfen lässt. Als Vertreter völlig unterschiedlicher Auffassungen macht die „Washington Post" Deutschland und die USA aus: Die beiden Hauptstädte seien etwa 6600 Kilometer voneinander entfernt. Doch in der Wirtschaftspolitik sei die Distanz eher mit zwei Planeten vergleichbar. Ohnehin bleibe der rigide Sparkurs der schwarz-gelben Bundesregierung für viele Amerikaner ein Rätsel, zumal diese Strategie von weiten Teilen der deutschen Bevölkerung geteilt werde. Als Beleg führt die Zeitung die hohe private Sparquote der Deutschen an - und die privaten Wohnverhältnisse der Kanzlerin: Dass Angela Merkel mit ihrem Ehemann ganz unspektakulär in einem Berliner Appartment lebt, sei geradezu symbolhaft für die „deutsche Strenge".

Obamas Wirtschaftsberater Michael Froman drückt sich bei der Erklärung der Differenzen diplomatischer aus: „Die Debatte am Wochenende wird sich darum drehen, wie man das Wachstum stimulieren kann, ohne die Defizite zu vertiefen", sagte der Ökonom bei einer Debatte des renommierten Brookings Instituts in Washington. Allerdings hält es Froman für dringend geboten, dass die Euro-Staaten institutionell enger zusammenrücken: Bei einer gemeinsamen Währung sei auch eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik unverzichtbar.

Washington wiederum wird sich von den Europäern vorhalten lassen müssen, dass die eigene Neuverschuldung weiterhin enorm hoch sei - was sich nicht allein durch die anhaltend hohen Militärausgaben erklären lässt.

Unterschiedliche Auffassungen zwischen Berlin und Washington sind auch im Umgang mit dem hohen Ölpreis zu erwarten: Während Obama schon länger darauf dringt, die strategischen Ölreserven freizugeben, um den Energiemarkt zu entspannen, zeigen sich die Berliner Regierungsvertreter wesentlich zurückhaltender. Merkels Verhandlungsposition dürfte auch dadurch nicht einfacher werden, dass Frankreichs neuer Staatspräsident während seines Wahlkampfs Sympathien für Obamas Strategie geäußert hatte. Ob der frisch gewählte François Hollande in Camp David diese Thesen wiederholt, ist aber nicht gewiss, da er als Neuling auf dem internationalen Parkett gilt.

Merkel ging bereits auf Nummer sich und hatte sich mit Hollande bei seinem Antrittsbesuch in Berlin darauf verständigt, bis Ende nächsten Monats eine gemeinsame Position zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums zu entwickeln. Und um sich von den Amerikanern nicht völlig auseinanderdividieren zu lassen, stimmten sich die Vertreter von Berlin, Paris, London und Rom kurz vor ihrer Abreise nach Washington in einer Videokonferenz ab.  

Zumindest bei Obamas Initiative zur Hungerbekämpfung herrscht zwischen Berlin und Washington Konsens. Der geschätzte deutsche Anteil von jährlich 700 Millionen Euro gilt in der US-Regierung als „gesetzt".

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