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Deutschland/Welt Merkel bestürzt über Mord an Bürgerrechtlerin
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Merkel bestürzt über Mord an Bürgerrechtlerin
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17:40 16.07.2009
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Die Organisation Memorial, für die Estemirowa tätig war, gab dem Kreml-treuen tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow die Schuld an der Tat.

Sie habe beim Treffen mit Medwedew ihrer Bestürzung Ausdruck verliehen, sagte Merkel nach der Begegnung im Rahmen der deutsch-russischen Konsultationen in Schloss Schleißheim bei München. „Ich glaube, dass die russische Seite alles daran setzen wird, die Täter zu fassen.“ Medwedew, in dessen Land zahlreiche Morde an Journalisten und Menschenrechtsaktivisten bisher ungeklärt blieben, sagte: „Dieses Verbrechen darf nicht ungestraft bleiben.“ Estemirowa habe „offen die Wahrheit gesagt - dafür werden Menschenrechtsaktivisten geschätzt“, ergänzte der Präsident in einer ungewöhnlichen Geste der Anerkennung. Medwedew wies jedoch den Vorwurf der Nichtregierungsorganisation Memorial gegen Kadyrow zurück.

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Nach Angaben von Memorial-Chef Oleg Orlow hatte Kadyrow Estemirowa „beleidigt“ und als „seine persönliche Feindin“ bezeichnet. „Wir wissen nicht, ob er selbst den Befehl gegeben hat oder einer seiner engen Vertrauten, um ihm zu gefallen“, hieß es in der Erklärung der Organisation.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay forderte eine „sorgfältige, transparente und unabhängige“ Untersuchung des Mordes. Der Fall Estemirowa zeige „auf traurige Weise“, dass Moskau mehr für den Schutz von Menschenrechtsaktivisten tun müsse. Auch der neue Präsident des EU-Parlaments, Jerzy Buzek, rief die Behörden vor Ort auf, alles zu tun, um die Täter vor Gericht zu bringen. Das EU-Parlament gedachte mit einer Schweigeminute der getöteten Aktivistin. Zuvor hatten sich auch die USA „tief betrübt“ über den Tod Estemirowas gezeigt.

In der tschetschenischen Hauptstadt Grosny verabschiedeten sich am Donnerstag etwa hundert Menschen von der 50-Jährigen, wie die Nachrichtenagenturen ITAR-TASS und RIA Nowosti berichteten. Nach der Trauerfeier sollten die sterblichen Überreste Estemirowas zur Beerdigung in ihr Heimatdorf nahe der tschetschenischen Stadt Gudermes gebracht werden.

Estemirowa war am Mittwoch in Grosny verschleppt und wenig später in Inguschetien erschossen aufgefunden worden. Die russischen Behörden verfolgen in dem Fall „vier Spuren“. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Innenministerium berichtete, werden Verbindungen zu ihren „beruflichen“ und “öffentlichen Aktivitäten“ sowie eine „Provokation“ seitens „bewaffneter Bandenchefs“ und eine private Spur untersucht.

afp