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Deutschland/Welt Mann attackiert Berlusconi mit der Faust
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Mann attackiert Berlusconi mit der Faust
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21:08 13.12.2009
Italiens Ministerpräsident  Silvio Berlusconi nach der Attacke im italienischen TV-Sender RAI24.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach der Attacke im italienischen TV-Sender RAI24. Quelle: AFP
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Berlusconi sackte nach dem Angriff zusammen und wurde von seinen Leibwächtern umgehend in ein Auto verfrachtet und in ein Krankenhaus gebracht, wie italienische Medien meldeten. Der Angreifer wurde festgenommen, er litt seit Jahren unter mentalen Problemen.

Fernsehbilder zeigten den Regierungschef mit geschwollenem Gesicht und blutverschmiertem Mund. Offenbar verlor er bei der Attacke einen Schneidezahn. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete unter Berufung auf Krankenhauskreise, Berlusconi habe zu keinem Zeitpunkt das Bewusstsein verloren, solle aber zur Beobachtung 24 Stunden im Krankenhaus bleiben. Als er die Notaufnahme verließ und in sein Krankenhauszimmer gebracht wurde, rief er wiederholt „Es geht mir gut, es geht mir gut“, wie Ansa aus Krankenhauskreisen erfuhr.

Ein Augenzeuge sagte dem Nachrichtensender Sky TG-24, der Angreifer habe Berlusconi von der Seite attackiert und auf die Wangen getroffen. Die Lippe des Regierungschefs habe geblutet. Verteidigungsminister Ignazio La Russa, der den Vorfall aus der Nähe miterlebte, berichtete, der Ministerpräsident habe am Mund und aus der Nase geblutet.

Der Angreifer, der 42-jährige Massimo T., wurde sofort festgenommen. Auf den Fernsehbildern machte er einen abgestumpften Eindruck, als die Polizei ihn abführte und vor wütenden Passanten abschirmte. Laut Ansa wurde er seit zehn Jahren wegen seelischer Probleme behandelt.

Italiens Präsident Giorgio Napolitano verurteilte „diese schwere aggressive Tat“. Auch der Chef der oppositionellen Demokratischen Partei, Pier Luigi Bersani, bezeichnete den Angriff als „unglaublich“. Kulturminister Sandro Bondi führte die Attacke auf eine „lange Hasskampagne“ einiger politischer Gruppen und der Medien zurück. Umberto Bossi, engster politischer Verbündeter von Berlusconi und Parteichef der Liga Nord, sprach von einem „terroristischen Akt“.

Der Vorfall ereignete sich nach einer Parteiveranstaltung in Mailand, auf der Berlusconi der politischen Linken „Hass und Missgunst“ vorgeworfen hatte. Zudem kritisierte er erneut die Richter als „politisiert“.

Zu Beginn der Veranstaltung war Berlusconi von rund einem Dutzend Menschen ausgebuht und ausgepfiffen sowie als „Clown“ beschimpft worden. Der Regierungschef rief ihnen daraufhin mehrfach laut zu, sie sollten sich schämen. Daraufhin gerieten die Demonstranten und junge Ordnungskräfte der Veranstaltung aneinander, woraufhin die Polizei eingriff. 2004 war Berlusconi bei einem ähnlichen Vorfall verletzt worden. Ein junger Mann hatte sein Kamerastativ nach dem Ministerpräsidenten geworfen und ihn am Kopf verletzt.

AFP