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Deutschland/Welt Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung kennt keine Flugscham: “Gibt oft keine sinnvolle Alternative zum Flieger”
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung kennt keine Flugscham: “Gibt oft keine sinnvolle Alternative zum Flieger”
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13:22 20.08.2019
Startendes Flugzeug am Flughafen Hannover: "Bei großen Distanzen gibt es oft keine sinnvolle Alternative."
Berlin

Herr Jarzombek, am Mittwoch findet die erste nationale erste Nationale Luftfahrtkonferenz am Flughafen Leipzig/Halle statt. Was ist das Ziel dieses Treffens?

Die Luftfahrt ist für die deutsche Wirtschaft wichtig. Gerade in diesen Zeiten, wo viel über Klimaschutz diskutiert wird, wird das gerne vergessen. Allein am Flugzeugbau hängen 100.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Wenn Sie Flughäfen und Airlines mit hinzurechnen, reden wir über fast eine Million Jobs. Wir wollen mit dieser Konferenz ein Zeichen setzen: Luftfahrt ist wichtig in Deutschland.

Wie geht es der Branche?

Der Branche geht es gut, weil immer mehr Menschen fliegen. Das ist ein Megatrend, und der hält an. Früher war Fliegen eine elitäre Veranstaltung, heute ist diese Form der Mobilität für nahezu jeden verfügbar. Selbst Schüler und Studenten benutzen heute selbstverständlich das Flugzeug. Fliegen hat sich demokratisiert, das ist etwas sehr Gutes. Es hilft der Völkerverständigung. Davon profitieren natürlich Flughäfen, Airlines und Flugzeugbauer.

Sie reden, als wenn es die ganze Diskussion um den Klimawandel und den Beitrag des Flugverkehres dazu gar nicht gäbe.

Natürlich gibt es die, und natürlich muss auch der Flugverkehr seinen Beitrag zur Reduzierung der Klimagase liefern. Aber man kann doch jetzt nicht so tun, als wenn der Zug die Lösung aller Probleme ist. Wer von Berlin nach Madrid will, der wird diese Reise mit der Bahn nicht sinnvoll schaffen. Eine besonders lebenspraktische Erwägung ist eine mindestens 20-Stündige Zugfahrt nicht.

Die Kritik entzündet sich weniger an innereuropäischem als an innerdeutschem Flugverkehr. Sie sagen, auch die Zahl der Inlandsflüge sollte so bleiben?

Wir sollten darauf achten, dass Mobilität erhalten bleibt. Die Wahrheit ist doch: Auf zentralen innerdeutschen Strecken gibt es keine ausreichend leistungsfähige Bahnverbindung, also konkret: unter 3 Stunden Reisezeit. Ich bedaure das und hier muss mehr passieren. Fallen heute aber die Flüge weg, steigen viele auf das Auto um. Deshalb ist es auch irreführend, den CO2-Ausstoß von Inlandsflügen nur mit dem von Bahnfahrten zu vergleichen. Das Auto ist am Ende doch der realistische Vergleichsmaßstab. Dabei sind hunderte Kilometer auf der Autobahn am Ende pro Passagier in der Klimabilanz auch kein Gewinn im Vergleich zu einem einem voll besetzten Flugzeug.

Welchen Beitrag soll denn der Flugverkehr zum Klimaschutz leisten?

Bislang reicht der Beitrag des gesamten Verkehrssektors für den Klimaschutz nicht aus. Das ist ein Problem. Die Fokussierung auf das Fliegen in der aktuellen Klimaschutzdebatte greift mir zu kurz, die Debatte ist zu Symbolhaft. Wir brauchen eine wirkungsvolle Politik. Ich bin dafür, den gesamten Verkehrssektor in den Emissionshandel miteinzubeziehen. Die Klimagase würden dann dort eingespart, wo es am kostengünstigsten möglich ist und die Zielerreichung ist sehr präzise.

Airlines und Fluggäste könnten sich freikaufen…

Nein, denn natürlich hat bei einem marktwirtschaftlichen System auch der Luftverkehr einen starken Anreiz, CO2 einzusparen und dadurch zukunftsfähiger zu werden. Schon jetzt passiert eine ganze Menge an Forschung im Bereich ökoeffizientes Fliegen, die die Bundesregierung setzt hier seit Jahren einen Schwerpunkt und unterstützt hier Entwicklungen allein in diesem Jahr mit 165 Millionen Euro. Gearbeitet wird an elektrischem und hybrid-elektrischem Fliegen, an synthetischen Kraftstoffen und an effizienterem Flugzeugdesign. Bereits heute spart jede neue Flugzeuggeneration 25 Prozent CO2 ein. Der Flugverkehr muss und wird in den kommenden Jahren noch weit mehr CO2 einsparen, aber er darf keine Sonderrolle haben, weder im Positiven noch im Negativen.

Positive Sonderrollen hat der Flugverkehr doch genug. Auf Kerosin wird keine Mineralölsteuer erhoben – das ist doch eine faktische Subvention.

Mag sein, aber der Staat investiert und subventioniert Schienen und Straßen jährlich mit zweistelligen Milliardenbeträgen. Der Luftverkehr trägt sich selbst. Das ist eine Leistung, die in der Debatte gesehen werden muss. Hinzu kommt die Luftverkehrssteuer, mit Einnahmen von 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr, übrigens deutlich mehr als bei der neuen französischen Abgabe. Die Nichtbesteuerung von Kerosin ist Teil internationaler Abmachungen. Dafür haben sich frühere Regierung entschieden, weil sie der Überzeugung waren, das der Flugverkehr zur Völkerverständigung beiträgt. Wer viel unterwegs ist, sieht die Welt mit anderen Augen. Und viele junge Menschen erleben Europa konkret durch bezahlbare Flüge.

Mit dem Begriff Flugscham können Sie nichts anfangen?

Ich halte nichts von dem Begriff Flugscham, und die Buchungszahlen sprechen dafür, dass die meisten Deutschen das ähnlich sehen. Ich fliege nicht aus Jux und Tollerei, sondern wenn es sein muss. Bei großen Distanzen gibt es oft keine sinnvolle Alternative. Das heißt aber nicht, dass ich mein Mobilitätsverhalten nicht geändert hätte. Früher bin ich fast jeden Millimeter mit dem Auto gefahren. Seit einigen Jahren bin ich in Berlin wie in meinem Düsseldorfer Wahlkreis fast nur noch mit dem Rad und dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs. Das funktioniert hervorragend für mich. Nach Madrid oder New York geht es aber nicht anders als mit dem Flieger.

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Von Andreas Niesmann/RND

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