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Deutschland/Welt Lega-Nord-Chef tritt nach Skandal zurück
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Lega-Nord-Chef tritt nach Skandal zurück
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10:34 06.04.2012
Foto: Lega-Nord-Chef Umberto Bossi ist wegen Veruntreuungsvorwürfen zurückgetreten.
Lega-Nord-Chef Umberto Bossi ist wegen Veruntreuungsvorwürfen zurückgetreten. Quelle: dpa
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Rom

Der langjährige Chef der rechtspopulistischen italienischen Lega Nord, Umberto Bossi (70), ist im Zuge einer größeren Betrugsaffäre um veruntreute Parteigelder zurückgetreten. Bossis Regionalpartei war in den vergangenen Tagen immer tiefer in den Strudel eines Skandals um „Selbstbedienung“ bei Spesen für den Wahlkampf der Lega Nord geraten.

Gegen Bossi, einem alten Weggefährten des mehrfachen Regierungschefs Silvio Berlusconi, war bisher aber nicht ermittelt worden. Er sei abgetreten, „um besser den Ruf der Bewegung und seiner Familie verteidigen zu können“, teilte die Lega Nord mit. Bossi hatte die norditalische Regionalpartei vor mehr als drei Jahrzehnten gegründet.

Medien berichteten, dem auch zurückgetretenen Lega-Schatzmeister Francesco Belsito werde vorgehalten, mindestens 300.000 Euro aus der Kasse der Partei an Bossi und dessen Sohn Renzo weitergeleitet zu haben. Diese Informationen gingen auf die von Ermittlern abgehörten Telefongespräche zurück, die in die Medien gelangten. Belsito wird Geldwäsche, Betrug und Veruntreuung vorgeworfen.

Der Veruntreuungsskandal trifft eine Partei, die bisher mit ihrer norditalienischen „Sauberkeit“ geworben hatte. Bossi war bekannt für seine scharfen Worte gegen den „römischen Sumpf“ und Italiens Süden. Die Lega kämpft für Föderalismus und gegen Einwanderung in den Norden.

Ein Trio soll die Partei übergangsweise bis zu einem Parteitag führen, teilte die Lega Nord mit. Darunter ist auch der ehemalige Innenminister Roberto Maroni, der zum neuen starken Mann in der Lega werden könnte. Bossi habe seinen Rücktritt als „unwiderruflich“ bezeichnet, heißt es. Er solle die Ehrenposition eines Präsidenten der Partei einnehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Der Mitbegründer der Autonomiebewegung Lega Lombardo hatte 2004 einen Hirnschlag und einen Herzinfarkt erlitten, war aber später doch wieder Reformminister in dem Kabinett unter Berlusconi geworden.

Die Lega war nach dem Rücktritt Berlusconis Mitte November 2011 als einzige der größeren Parteien im Parlament in Rom in Opposition zur neuen Regierung des ehemaligen EU-Kommissar Mario Monti gegangen. Das bedeutete auch einen erneuten Bruch in den immer wieder stürmischen Beziehungen zwischen Bossi und Berlusconi.

dpa