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Deutschland/Welt Lafontaine wirft überraschend Fraktionsvorsitz hin
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Lafontaine wirft überraschend Fraktionsvorsitz hin
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23:08 09.10.2009
Von Alexander Dahl
Oskar Lafontaine
Oskar Lafontaine Quelle: ddp
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„Ich werde mich auf die Aufgabe als Parteivorsitzender konzentrieren“, sagte Lafontaine später. Überraschend sei sein Schritt nicht, er habe die Absicht schon lange gehegt.

Sein Bundestagsmandat will Lafontaine in jedem Fall behalten; auch auf den Fraktionsvorsitz im saarländischen Landtag, den er seit wenigen Wochen innehat, will er nicht verzichten. An der Saar wurde Lafontaines Absicht, sich dort stärker in der Landespolitik zu engagieren, mit Misstrauen registriert. SPD, Grüne und Linkspartei steuern dort nach der Landtagswahl Ende August auf eine Koalition unter Führung des SPD-Mannes Heiko Maas zu. Maas selbst hatte Lafontaine, als dieser noch SPD-Ministerpräsident des Saarlandes war, bereits gedient – ab 1996 als Staatssekretär im Umweltministerium und von 1998 bis 1999 dann in der Funktion des Ministers. Lafontaine hatte Maas’ Karriere damals nachdrücklich gefördert.

Lafontaine unter Maas als Teil der Regierungskoalition wäre ein „Koministerpräsident“, argwöhnen viele in der Landespolitik, die die Showqualitäten Lafontaines kennen. Maas hätte Mühe, sich als der starke Mann der neuen Regierung zu profilieren. Besonders die Grünen, die an der Saar darüber entscheiden, ob SPD oder Union regieren, äußerten Ablehnung. Der Landesvorsitzende der Grünen, Hubert Ulrich, sprach von einem „Affront gegen Rot-Rot-Grün“. Lafontaines Entscheidung, sich stärker an der Saar zu engagieren, bedeute „kein gutes Signal für eine Koalition“. Am Sonntag wird ein Parteitag entscheiden, mit wem die Grünen regieren werden. Sollten sie sich für ein Jamaika-Bündnis entscheiden, will Lafontaine den Fraktionsvorsitz an der Saar wieder abgeben, heißt es.

In der Bundes-SPD, für die Lafontaine nach seiner Flucht aus den Ämtern des Bundesfinanzministers und des SPD-Chefs 1999 ein rotes Tuch blieb, herrschte gestern Erleichterung. „Ich hatte nie den Eindruck, dass er in Berlin langfristige Aufgaben verfolgt“, sagte Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Für die Linkspartei ist sein Rückzug eine Chance: raus aus der Populismusfalle, rein in die Realpolitik.“ Lafontaines Teilrückzug aus der Bundespolitik belebte wieder Spekulationen, dass er gesundheitliche Probleme hat. Er müsse auch daran denken, was mit der Partei passiere, wenn er einmal „umfallen“ sollte, sagte der 66-Jährige in Rheinsberg. Dass er körperlich angeschlagen ist, wollte er nicht bestätigen. Er absolviere regelmäßig sein Fitnessprogramm, ließ Lafontaine wissen.

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