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Deutschland/Welt Länder wollen vergleichbares Abi
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21:09 08.03.2012
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PREMIERENGAST: Noch nie war ein Kanzler bei der Kultusministerkonferenz – Angela Merkel informierte sich über die Bildungsprobleme in Deutschland. Quelle: Maurizio Gambarini
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Berlin

Den meisten Eltern und Schülern fehlt für die bildungspolitische Zersplitterung der Republik jegliches Verständnis: Warum sollen junge Menschen in Niedersachsen auf einem anderen Niveau lernen als in Bremen? Wieso muss ein Kind beim Umzug von Berlin nach Bayern eine Menge Unterrichtsstoff aufholen? Dieses Problem wurde von der Kultusministerkonferenz (KMK) schon 2007 aufgegriffen, jetzt endlich haben sich die Länder geeinigt: "Wir fühlen uns den Schülern verpflichtet, und was wir brauchen, ist Vergleichbarkeit", sagte der sächsische Kultusminister Roland Wöller (CDU) am Rande der Konferenz.

Gemeinsam mit Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bayern geht der Freistaat sogar einen Schritt weiter. Unter dem Titel "Ländergemeinsames Abitur" führen diese sechs bereits zum Schuljahr 2013/2014 einheitliche Standards in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik ein. "Wir wollen eine gemeinsame Grundlage für die bessere Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen", sagte Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

Dass sechs Länder dabei parteiübergreifend vorangehen, findet nicht überall Zustimmung. Obwohl Hamburg mitmacht, verkündete der dortige Schulsenator und aktuelle KMK-Präsident Ties Rabe (SPD), der Vorstoß sei "nicht hilfreich". Ziel müsse eine bundesweite Lösung sein. Auch Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) sprach sich gegen "Insellösungen" aus. Thüringen wollte ursprünglich bei der Initiative mitmachen, ist aber dann ausgestiegen.

Althusmann sieht in dem langfristigen Plan und dem Wunsch der Länder, den jetzt festgelegten Zeitplan zu unterbieten, keinen Widerspruch: "Das mag ambitioniert oder ehrgeizig sein, aber wir streben dies nun seit einigen Jahren an. Der Beschluss der KMK ist vom Grundsatz her ein Durchbruch, hinter dem wir alle stehen." Die Umsetzung der Standards sei letztendlich aber Ländersache. Auch Wöller zeigte sich von der Kritik unbeeindruckt: "Unsere Initiative ist eine offene - die anderen Länder können mitmachen oder nicht." Der Wettbewerb im Bildungsföderalismus sei gut, weil er Qualität bringe.

Der Weg zum bundesweit vergleichbaren Abitur ist Wöller zufolge noch weit. "Wir können nicht so lange warten, bis alle auf den einheitlichen Nenner gekommen sind", sagte der Minister, der sich gegen ein Zentralabitur aussprach: "Das ist aus meiner Sicht nicht erstrebenswert. Wir haben unterschiedliche Wege, aber ein gemeinsames Ziel."

Ein einheitlicher Prüfungstermin sei logistisch nicht durchzusetzen, schon allein wegen der unterschiedlichen Ferientermine. Auch Althusmann sieht derzeit keine Chance für eine Einheitsprüfung: "Zentralabitur an einem Tag in einem Fach für ganz Deutschland stellt die Länder vor immense organisatorische Probleme - auch mit Blick auf die Geheimhaltung der Aufgaben."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam ebenfalls zu dem Treffen der Kultusminister - bei dem zuvor noch kein Kanzler gewesen war. "Es ist wichtig und richtig, dass wir uns permanent austauschen", sagte Merkel. Zu strittigen Themen wie dem Kooperationsverbot in der Bildung, das die Bundesregierung zumindest im Hochschulbereich lockern will, äußerte sie sich nicht.