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Deutschland/Welt Kundus-Affäre bleibt nach Schneiderhans Aussage widersprüchlich
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Kundus-Affäre bleibt nach Schneiderhans Aussage widersprüchlich
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15:58 01.10.2010
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Es dürfte eine Art Déjà-vu-Erlebnis für Wolfgang Schneiderhan gewesen sein. Am Mittwochnachmittag saßen dem früheren Bundeswehr-Generalinspekteur im Jakob-Kaiser-Haus des Bundestags die selben rund 30 Mitglieder des Kundus-Untersuchungsausschusses gegenüber, die ihn bereits vor einem halben Jahr gelöchert haben. Das Thema hat sich nicht verändert, die Fragen der Abgeordneten auch kaum. Nur das Medieninteresse war nicht mehr ganz so groß wie am 18. März.

Damals wurde Schneiderhan fünf Stunden zu dem verheerenden Bombardement von Kundus vernommen, der ehemalige Staatssekretär Peter Wichert drei Stunden. Das Protokoll der Sitzung hat mehr als hundert Seiten - kleingedruckt.

Schneiderhan und Wichert sind so etwas wie ein dunkler Fleck auf der glänzend weißen Weste des Ministers. Guttenberg ist der beliebteste Politiker Deutschlands. Politisch gelingt ihm im Moment alles und von Parteifreunden und Medien wird er längst als Kanzlerkandidat der Union nach der Ära Angela Merkel gehandelt.

Auch die Kundus-Affäre hat die steile Karriere Guttenbergs nicht bremsen können. Aber die Entlassung seiner beiden Spitzenberater, hat bis heute einen Nachgeschmack. Es gibt immer noch widersprüchliche Angaben über den Ablauf des entscheidenden Gesprächs mit Wichert und Schneiderhan am 25. November 2009, das zur Entlassung geführt hat. Es gibt auch unterschiedliche Bewertungen der Frage, ob Guttenberg tatsächlich wesentliche Informationen fehlten.

Schneiderhan und Wichert fühlen sich in ihrer Ehre verletzt, weil sie der Ansicht sind, sie hätten sich korrekt verhalten. Guttenberg wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe nur „Sündenböcke“ dafür gesucht, dass er das Bombardement von Kundus zunächst als „militärisch angemessen“ bewertet hat. Die Opposition wirft dem Minister vor, „Halbwahrheiten“ zu verbreiten. Sogar der Vorwurf der „Lüge“ steht im Raum.

Zu fassen bekamen die Abgeordneten von SPD, Grüne und Linke Guttenberg nicht, als sie ihn im April vor dem Ausschuss befragten. Ein Antrag auf eine Gegenüberstellung mit seinen ehemaligen Spitzenberatern scheiterte vor dem Bundesgerichtshof. Deswegen kamen Schneiderhan und Wichert jetzt noch einmal alleine vor den Ausschuss.

Eine Eingangserklärung sparte sich Schneiderhan diesmal. Die Fragen der Abgeordneten beantwortete er geduldig, aber etwas gereizter als beim letzten Mal. Diesmal dauerte die Vernehmung nur gut drei Stunden. Die Widersprüche blieben - erwartungsgemäß. Schneiderhan verteidigte sein Verhalten in der Affäre. Schon Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) habe er „nach besten Kräften mit dem versorgt, was ich zur Verfügung hatte“. Von „routinemäßigem Verhalten“ könne keine Rede sein.

Den Feldjäger-Bericht, den der Minister vermisst habe, enthalte keine wesentlichen Informationen, die er nicht schon aus einem NATO-Bericht gekannt habe. Im Gegenteil: Er werfe „zunächst mal Fragen auf, gibt keine Antworten“.

Verständnis hat Schneiderhan bis heute kaum für das, was im vergangenen November passiert ist. „Ich habe mich gefragt, was war hier los“, sagte er an einer Stelle. „Das war für mich alles überraschend.“

dpa

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