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Deutschland/Welt Krümmel-Panne bringt Gabriel in Rage
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Krümmel-Panne bringt Gabriel in Rage
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22:50 05.07.2009
Von Michael Grüter
Atomkraftwerk Krümmel Quelle: Hero Lang/ddp
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Er kündigte an, dass ein „Wiederanfahren des Reaktors Krümmel nur nach vorheriger Zustimmung der Bundesaufsicht erfolgen wird“. Zudem werde die Elektronik der deutschen Atommeiler einer zusätzlichen Überprüfung unterzogen, erklärte Gabriel. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) wies seine Forderungen zurück. „Solange Kernkraftwerke sicher sind, sollten sie auch laufen können.“ Andernfalls drohe eine Erhöhung der Strompreise.

Der Kraftwerksblock mit einer Nennleistung von 1400 Megawatt war erst vor zwei Wochen vom Betreiber Vattenfall wieder angefahren worden und sollte auf volle Leistung gebracht werden, als am Sonnabend der Kurzschluss eines Transformators zur Schnellabschaltung führte. Der Brand eines baugleichen Transformators hatte am 28. Juni 2007 die zweijährige Unterbrechung der Stromproduktion verursacht.

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Auch der jetzige Pannentransformator sei in dieser Zeit „gründlich überprüft worden“, erklärte der Geschäftstführer von Vattenfall Europa Nuclear Energy, Ernst Michael Züfle. „Für die Ursache des neuen Kurzschlusses haben wir aber bisher keine Erklärung.“ Das Aggregat sei 33 Jahre alt und seit Inbetriebnahme des Kraftwerks 1983 genutzt worden. Die für die Atomaufsicht zuständige Kieler Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) will die Zuverlässigkeit von Vattenfall als Betreiber von Kernkraftwerken überprüfen. Die Landesaufsichtsbehörde war erst von der Polizei über den Störfall informiert worden.

Die Panne am Sonnabend war schlimmer, als zunächst bekannt wurde. Nach dem Kurzschluss führte die Schnellabschaltung zu Folgeschäden. Wegen eines defekten Brennelementes kam es zu einer Erhöhung der Radioaktivität im Reaktorwasser. Außerdem kam es zu Problemen bei der Kühlung des Systems zur Reaktorwasser-Reinigung. Schließlich fiel ein Elektronikteil aus, das einen Bereich des Sicherungssystems steuert.

Die Schnellabschaltung führte in Hamburg zu massiven Einschränkungen. 1500 Ampelanlagen fielen aus. Es kam zu Wasserrohrbrüchen und Produktionsausfällen in Stahl- und Aluminiumwerken.

Zwischen Bundesumweltminister Gabriel und seinem niedersächsischen Amtskollegen Hans-Heinrich Sander (FDP) entbrannte derweil ein heftiger Streit über die Sicherheit von Atomkraftwerken bei Störfällen. Gabriel warf Niedersachsen vor, als einziges Bundesland keine Nachweise für die Sicherheit der vom Land beaufsichtigten Atomkraftwerke zu liefern. Sander wies dies entschieden zurück. „Niedersachsen geht es um den sicheren Betrieb der Kernkraftwerke. Daher haben wir bereits gehandelt“, sagte Sander.