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Deutschland/Welt Kritik an Millionen-Abfindung für Eick
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Kritik an Millionen-Abfindung für Eick
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15:06 30.08.2009
Kassiert Millionen: Karstadt-Vorstand Karl-Gerhard Eick.
Kassiert Millionen: Karstadt-Vorstand Karl-Gerhard Eick. Quelle: ddp
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Zwar wird der Vorstandsvorsitzende des Karstadt-Mutterkonzerns Karl-Gerhard Eick dann höchstwahrscheinlich sein Amt niederlegen. Doch muss er sich im Gegensatz zu den Beschäftigten nicht um seine Zukunft sorgen. Schließlich erhält er eine Abfindung von 15 Millionen Euro. Für die zunehmende Kritik daran hat er indes kein Verständnis.

Die Kritik sei „nicht gerecht“, sagte Eick, der den Konzern lediglich ein knappes halbes Jahr leitete, dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Schließlich zahle die Summe nicht Arcandor, sondern der Großaktionär Sal. Oppenheim. Das Bankhaus hatte Eick garantiert, dass er - auch im Falle einer Insolvenz - in den nächsten fünf Jahren jeweils drei Millionen Euro erhalten werde. „Ich komme aus einfachen Verhältnissen und weiß, dass 15 Millionen Euro sehr viel Geld ist - auch für mich. Eine Diskussion darüber wird es geben und ich kann und will sie auch nicht verhindern“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Zuvor hatten Arbeitnehmervertreter die Abfindung scharf kritisiert. „Ich habe dafür kein Verständnis und kann den Frust vieler Angestellter darüber verstehen“, sagte Konzernbetriebsrat Hellmut Patzelt der Zeitung. „Die Kollegen haben harte finanzielle Einschnitte hinter und vielleicht noch vor sich. Wir befürchten im Kaufhausbereich Lohnkürzungen bis zu zwölf Prozent, die tun jeder Verkäuferin weh.“ Ähnlich äußerte sich der Betriebsratsvorsitzende des ebenfalls zu Arcancor gehörenden Versandhauses Quelle, Ernst Sindel: „Für uns ist nur schwer verständlich, dass Herr Eick eine so hohe Summe bekommt. Schließlich ist er als Manager gescheitert. Er wollte und sollte Karstadt/Quelle retten. Für das Scheitern sollte man grundsätzlich nicht belohnt werden.“

Eine Verantwortung für die Insolvenz sieht Eick allerdings nicht bei sich. „Das weise ich mit allem Respekt zurück. Ich war keine sechs Monate operativ tätig und in so einer kurzen Zeit kann man keinen Konzern in eine lebensbedrohliche Schieflage bringen“, sagte der ehemalige Telekom-Manager. Viele der Ursachen lägen in der Vergangenheit. „Uns fehlten auf die nächsten fünf Jahre gesehen rund 100 Millionen Euro von den Eigentümern, um den Konzern auf gesunde Beine zu stellen“, sagte er dem „Spiegel“. Dazu seien aber weder die Familie Schickedanz noch das Bankhaus Sal. Oppenheim willens oder in der Lage gewesen.

Sowohl für die Warenhauskette Karstadt als auch für das Versandhandelsgeschäft sieht Eick allerdings auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens gute Chancen. „Man kann Karstadt rentabel betreiben, davon bin ich zutiefst überzeugt“, sagte er. Dazu sei es aber notwendig, sich von unrentablen Häusern zu trennen und weitere Einsparpotenziale zu heben, erläuterte er. Eine Fusion mit der Warenhauskette Kaufhof hält Eick dagegen für „nicht zwingend notwendig“. Auch die Versandhandelssparte Primondo, zu der unter anderem Quelle gehört, habe gute Chancen zu überleben. Durch die Insolvenz könnten Sanierungsmaßnahmen nun wesentlich zügiger und günstiger umgesetzt werden. ddp