Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Kritik an Käßmanns Nein zum Afghanistan-Einsatz
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Kritik an Käßmanns Nein zum Afghanistan-Einsatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:51 03.01.2010
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland: Margot Käßmann
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland: Margot Käßmann Quelle: ap (Archiv)
Anzeige

Die strikte Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr durch die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschland, Margot Käßmann, stößt parteiübergreifend auf Kritik. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) etwa erinnerte Hannovers Landesbischöfin daran, dass die deutschen Soldaten im Auftrag der Vereinten Nationen (UN) gegen die Taliban kämpften. Diese internationale Zusammenarbeit aufzukündigen, „wäre mit meinem Verständnis von globaler Verantwortung nicht vereinbar“, sagte er der „Welt am Sonntag“.

Käßmann hatte im Neujahrsgottesdienst ein Ende des Afghanistan- Einsatzes gefordert. „Nichts ist gut in Afghanistan“, sagte sie und forderte „mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen“. Vor Weihnachten war sie noch deutlicher geworden: „Auch nach den weitesten Maßstäben der Evangelischen Kirche in Deutschland ist dieser Krieg so nicht zu rechtfertigen“, sagte sie. „Möglichst bald sollten die deutschen Soldaten aus Afghanistan abgezogen werden.“

Der Vorsitzende des Außen-Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), erklärte in der Zeitung: „Frau Käßmann macht es sich zu einfach, wenn sie die Botschaft vermittelt, man könne sich kurzfristig aus Afghanistan zurückziehen, ohne sich schuldig zu machen.“ Schuldig würde man dann an den Afghanen und den anderen Staaten, die sich dort für die internationale Sicherheit engagierten. Polenz: „Zu verantwortungsvoller Politik gehört neben dem Friedensziel auch die Erkenntnis, dass man durch schlichten Pazifismus den Frieden in der Welt, so wie sie ist, nicht erreicht.“

Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose sagte, Käßmann vertrete „die Position der Linkspartei“ und habe unrecht: „Wenn die internationale Gemeinschaft in Afghanistan scheitert, würde das mit Sicherheit zu einer neuen Welle terroristischer Anschläge führen.“ Der Vorstand der Grünen-nahen Heinrich Böll Stiftung, Ralf Fücks, meinte: „Auch Nicht-Handeln kann schuldig machen. Protestantische Verantwortungsethik ernst zu nehmen hieße deshalb, Kriterien für einen legitimen Bundeswehreinsatz aus der Sicht der Kirche zu diskutieren.“

lni

Mehr zum Thema

Angesichts des wachsenden Widerstands in Deutschland gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr spricht die Regierung nun verstärkt über Abzugsperspektiven.

02.01.2010

Keine Debatte über Truppenverstärkung ohne eine ehrliche Bilanz: Der Deutsche Bundeswehrverband fordert von der Bundesregierung eine Bilanz des bisherigen Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan.

02.01.2010

Außenminister Guido Westerwelle hat sich dafür ausgesprochen, schon in diesem Jahr Afghanistan mehr Verantwortung für die Sicherheit in dem Land zu übertragen.

02.01.2010