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Deutschland/Welt Krawalle bei Protestblockade gegen Castor-Zug
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Krawalle bei Protestblockade gegen Castor-Zug
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17:08 09.11.2010
Polizeikräfte überwältigen im niedersächsischen Harlingen während einer Gleisbesetzung einen Demonstranten.
Polizeikräfte überwältigen im niedersächsischen Harlingen während einer Gleisbesetzung einen Demonstranten. Quelle: dpa
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Der Castor-Transport quer durch Deutschland ins Atommülllager Gorleben ist am Sonntag auf massiven Widerstand gestoßen. Mit Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas hielt die Polizei im Wendland morgens rund 4000 Demonstranten davon ab, die Bahnstrecke zu besetzen und den Schotter aus dem Gleisbett zu räumen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Polizei-Räumpanzer in Brand. Es gab Verletzte. Der Sonderzug befand sich mittags zwischen Celle und Lüneburg und hatte rund neun Stunden Verspätung.

Mehrere Hundert Atomkraftgegner besetzten zudem vormittags in Harlingen westlich von Hitzacker die Castor-Bahnstrecke zur Verladestation Dannenberg. Eine zweite große Sitzblockade bildete sich vormittags auch auf der Straßenstrecke, also der letzten Etappe direkt vor dem Zwischenlager. Die Polizei sprach von einer friedlichen Aktion mit etwa 1000 Demonstranten. Nach Angaben der gewaltfreien Aktion „x-tausendmalquer“ wollen diese Castor-Gegner bis zur Ankunft des Atommülltransports am (morgigen) Montag ausharren - ausgerüstet mit 2000 Strohsäcken, 1000 Rettungsdecken und zahlreichen Schlafsäcken und Isomatten.

Die Landwirte von der „Bäuerlichen Notgemeinschaft“ beendeten morgens eine Treckerblockade in Splietau bei Dannenberg. Polizeikräfte hatten die etwa 60 dort abgestellten Traktoren eingeschlossen. Anschließend fuhren deren Besitzer die Trecker nach und nach weg, sagte Hans-Werner Zachow für die Notgemeinschaft. Gleichzeitig hätten aber andere Traktoren auf der Bundesstraße von Dannenberg nach Lüneburg eine Brücke und eine Kreuzung blockiert. Die Polizei bestätigte Blockaden mit insgesamt mehreren Dutzend Traktoren auf einer Brücke über die Bahn in Oldendorf und am Bahnhof in Leitstade zwischen Dahlenburg und Hitzacker.

Von den gewalttätigen Zusammenstößen bei Leitstade berichtete die Polizeieinsatzstelle, dass morgens 3000 bis 4000 Menschen auf die Gleise wollten. Polizisten seien „mit Stangen, Leuchtmunition und Reizstoffen“ angegriffen worden, berichtete eine Sprecherin. Darauf habe die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur dapd vor Ort sah zwei blutende Verletzte und viele Menschen mit gereizten, tränenden Augen. Ein Wasserwerfer wurde eingesetzt, auch um brennende Holzbarrikaden zu löschen. Ein Polizeiräumpanzer wurde laut Polizei mit brennbarer Flüssigkeit übergossen und angezündet, war aber weiter einsatzfähig.

„Der Wald ist voller Tränengas“

Mischa Aschmoneit von der Kampagne „Castor Schottern“ erklärte zu den Zusammenstößen bei Leitstade: „Nur durch einen unverhältnismäßigen Gewalteinsatz konnte die Polizei uns nach dem ersten Schottern wieder zurückdrängen. Der Wald ist voller Tränengas.“

Die Bahn sperrte wegen des Atommülltransports die Strecke von Hamburg nach Hannover über Lüneburg, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Fernzüge sollten über Rotenburg/Wümme umgeleitet werden. Nach Angaben der Polizei stand der Castor-Zug ab 12.50 Uhr bei Unterlüß zwischen Celle und Uelzen. Grund für den erneuten Stopp waren zwei angekettete Demonstranten im Gleisbett.

Nachts hatten unter anderem Atomkraftgegner in Darmstadt (Südhessen) und Morschen (Nordhessen) den Zug zum Halten gezwungen. In Darmstadt kamen etwa zehn Aktivisten auf die Gleise. In Morschen seilten sich Kletterer von einer Brücke über der Bahnstrecke ab.

Greenpeace hatte kritisiert, bei der Auswertung von Wärmebildaufnahmen sei eine erhöhte Temperatur an einer Achse zwischen dem sechsten und siebten Castor-Waggon festgestellt worden. Die Polizei bestätigte diese Angaben zunächst nicht.

dapd/dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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