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Deutschland/Welt Kein schneller Abzug aus Afghanistan
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11:17 17.08.2009
Jung weist Forderung nach schnellem Abzug aus Afghanistan zurück
Jung weist Forderung nach schnellem Abzug aus Afghanistan zurück. Quelle: Urban/ddp
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Die deutschen Soldaten müssten sicherlich noch „fünf bis zehn Jahre“ in dem Land bleiben, sagte Jung der „Bild“-Zeitung vom Montag. Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) hatte zuvor einen Abzug der Bundeswehr in zwei Jahren gefordert.

Ziel des Einsatzes am Hindukusch sei es, Afghanistan in die Lage zu versetzen, selbst für seine Sicherheit zu sorgen, sagte Jung. „Dies wird sicherlich noch einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren in Anspruch nehmen.“ Der Verteidigungsminister wies zudem Kritik seines Amtsvorgängers Rühe scharf zurück. „Rühe hat schon lange nichts mehr mit den aktuellen Problemen zu tun. Es wäre klug, wenn Ehemalige sich mit aktuellen Ratschlägen zurückhalten würden“, sagte Jung der Zeitung.

Rühe hatte den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan als „Desaster“ bezeichnet. „Wir sollten uns dort in den kommenden zwei Jahren mit voller Kraft engagieren und dann den Abzug einleiten“, sagte Rühe dem „Spiegel“. Der frühere Verteidigungsminister sprach sich zudem dafür aus, die Zukunft des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch zum Wahlkampfthema zu machen. „Die Parteien sollten sich sich endlich präzise zu Afghanistan äußern, aber allen fehlt der Mut.“ Es sei ein „Armutszeugnis“, dass keine Partei eine Strategie entwickle, kritisierte Rühe.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), warnte hingegen vor einem Wahlkampfstreit über einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. „Die Diskussion ist gefährlich. Wenn die Taliban merken, dass in Deutschland eine große Debatte losgetreten wird, werden sie noch mehr Anschläge auf die Bundeswehr verüben“, sagte Polenz der „Bild“-Zeitung.

Der frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Klaus-Dieter Naumann, sagte der Zeitung, grundsätzlich stimme er der Kritik Rühes zu, er „halte sie aber in Wahlkampfzeiten für falsch“. Auch der frühere Leiter des Planungsstabs der Bundeswehr, Ulrich Weisser, sprach sich für ein baldiges Endes des Einsatzes aus. Die Bundeswehr müsse spätestens im Jahr 2011 abziehen, schrieb Weisser in einem Beitrag für die „Frankfurter Rundschau“ vom Montag. Der Krieg in Afghanistan sei „nicht zu gewinnen“.

Der frühere UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, kritisierte die Afghanistan-Politik der Bundesregierung. Der Krieg sei unter dem „klassischen Gesichtspunkt geführt worden, den Gegner zu vernichten, nicht aber, mit allen Mitteln die Zivilbevölkerung zu schützen“, sagte Koenigs der „Berliner Zeitung“ vom Montag. Der Grünen-Politiker forderte einen stärkeren zivilen Einsatz in Afghanistan, „viel mehr Polizeiaufbau, viel mehr Unterstützung der demokratischen Kräfte und Verhandlungen mit den Taliban“.

Insgesamt sind im Norden des Landes rund 3900 deutsche Soldaten der NATO-Truppe ISAF stationiert. In den vergangenen Monaten nahmen die Angriffe auf die deutschen Truppen in der Region zu. Erst am Sonntag wurde nach Angaben des Einsatzführungskommandos nahe des Bundeswehrfeldlagers in Kundus erneut eine deutsche Patrouille angegriffen. Zudem wurden demnach etwa 20 Kilometer südlich des deutschen Feldlagers zwei durch deutsche Soldaten begleitete, zivile Tanklastzüge in Brand geschossen. Bei beiden Angriffen wurden keine deutschen Soldaten verletzt.

afp

Gabi Stief 16.08.2009
Bernd Knebel 16.08.2009