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Deutschland/Welt Karsai und Abdullah beanspruchen Sieg bei Wahl
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Karsai und Abdullah beanspruchen Sieg bei Wahl
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16:30 21.08.2009
Ein Wahlhelfer zählt die Stimmen in einem Wahllokal in Kabul. Quelle: Shah Marai/afp
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Die afghanische Wahlkommission, die EU-Kommission und die Vereinten Nationen forderten die Kandidaten zur Zurückhaltung auf.

Der Chef des Wahlkampfteams von Karsai, Din Mohammed, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Karsai liege nach seinen bisherigen Informationen weit vorn, eine Stichwahl werde daher nicht nötig sein. Er habe diese Informationen von eigenen Beobachtern in den Wahlstationen. Abdullah dagegen widersprach: „Ich liege zweifellos in Führung“, sagte er AFP. Karsai solle sich mit seiner Niederlage abfinden. Zuvor hatte Abdullahs Sprecher gesagt, nach seinen Informationen aus den Wahllokalen habe Abdullah 63 Prozent geholt, Karsai dagegen nur 31.

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Die afghanische Wahlkommission (IEC) forderte die Teams der Kandidaten auf, bei ihren Äußerungen „vorsichtig“ und „geduldig“ zu sein. „Es ist Aufgabe der Wahlkommission, die Ergebnisse zu verkünden“, sagte ein IEC-Sprecher. Teilergebnisse sollten ab Dienstag veröffentlicht werden. Ein anderer Sprecher sagte, das vorläufige offizielle Endergebnis werde voraussichtlich am 3. September verkündet.

Die EU-Kommission rief die Präsidentschaftskandidaten in Afghanistan zur Zurückhaltung auf. „Wir ermuntern alle Kandidaten, den Wahlprozess zu respektieren und von der vorschnellen Ankündigung möglicher Ergebnisse abzusehen“, sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Ein Sprecher der Vereinten Nationen sagte: „Es gibt kein Ergebnis, bevor die IEC ein Ergebnis verkündet hat. Alles andere ist Spekulation.“

Die Stimmzählung war der Wahlbehörde zufolge am Freitagvormittag beendet, an dem Urnengang hätten sich voraussichtlich 40 bis 50 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Wie ein Sprecher sagte, war die Wahlbeteiligung in den verschiedenen Landesteilen unterschiedlich stark, „aber immer noch zufriedenstellend“.

Dennoch wurden Befürchtungen laut, die Legitimität der Wahl könnte angezweifelt werden. Vor allem im Süden des Landes, in dem die Taliban besonders stark sind, ließen sich viele Afghanen von den Drohungen der Aufständischen einschüchtern und blieben der Wahl fern. Ein ausländischer Experte sagte AFP, in der Taliban-Hochburg Kandahar habe die Wahlbeteiligung möglicherweise bei nur zehn Prozent gelegen, in der Unruheprovinz Helmand bei 25 bis 30 Prozent.

Unterdessen wurden schwere Vorwürfe wegen Wahlbetrugs laut. Allein das Lager von Abdullah reichte 40 Beschwerden ein. In den meisten wird lokalen Behördenvertretern vorgeworfen, der Bevölkerung befohlen zu haben, für Karsai zu stimmen. Präsidentschaftskandidat Aschraf Ghani sagte, die Regierung habe wegen ihres „unerbittlichen Willens zur Macht“ alle rechtlichen Vorgaben gebrochen. „Bestechung und die Nutzung von Regierungsmitteln, um die Wahl des Amtsinhabers zu garantieren, waren an der Tagesordnung“, sagte Ghani.

Taliban griffen nach der Wahl einen Lastwagen an, der Stimmzettel von dem nordafghanischen Dorf Siagird nach Masar-i-Scharif bringen sollte. Wie die Polizei mitteilte, töteten sie dabei einen Wahlhelfer. Wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte, kamen bei einer Explosion in der südlichen Provinz Helmand am Wahltag auch zwei britische Soldaten ums Leben.

afp

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