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Deutschland/Welt Kandidatensuche im Eilverfahren
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Kandidatensuche im Eilverfahren
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18:22 31.05.2010
Quelle: afp
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Bei der Wiederwahl Köhlers am 23. Mai 2009 war die Koalition aus Union und FDP noch auf die Stimmen der Freien Wähler angewiesen.
Einen klaren Favoriten gibt es noch nicht. Ein prominenter Unionspolitiker hat sich bereits 2005 berechtigte Hoffnungen auf das höchste Staatsamt gemacht. Der heutige Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) galt damals als Favorit der Union, musste aber schließlich auf Druck der Liberalen dem Kompromisskandidaten Köhler weichen. Heute ist Schäuble 67 Jahre alt und hatte in den vergangenen Monaten immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ob er sich unter diesen Umständen den mit viel Terminstress und Reisen verbundenen Job des obersten Staatsrepräsentanten noch antun will, ist fraglich.

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Von den jüngeren Unionspolitikern werden Christian Wulff (CDU) Chancen eingeräumt. Der niedersächsische Ministerpräsident zählt zu den in der Bevölkerung beliebtesten Politikern aus CDU und CSU. Ambitionen auf das Kanzleramt hat der erst 50-Jährige stets zurückgewiesen. Für das Schloss Bellevue war er erst im April von einigen Hinterbänklern aus der Union öffentlich ins Gespräch gebracht worden.

Mit Jürgen Rüttgers (CDU) käme ein weiterer Ministerpräsident in Frage. Schon einmal war 1999 mit Johannes Rau ein früherer nordrhein- westfälischer Regierungschef ins Schloss Bellevue gewechselt. Würde Rüttgers diesem Beispiel folgen, käme gleichzeitig Dynamik in eine andere politische Großbaustelle: Die Bildung einer großen Koalition in Nordrhein-Westfalen wäre ohne den langjährigen Chef einer schwarz- gelben Regierung zweifellos einfacher.

Das zweithöchste Staatsamt hat bereits jetzt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) inne. Auch ihm wird zugetraut, noch eine Stufe höher zu steigen. Unter den Unions-Frauen gelten Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Bildungsministerin Annette Schavan und die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer als Kandidatinnen, die auch der SPD zu vermitteln wären.

Nachgedacht wird in der Union auch über eine Persönlichkeit jenseits der aktiven Parteipolitik. Eine solche Lösung hatte man 2004 mit Köhler gefunden, der vor seinem Einzug ins Präsidialamt zwei Jahrzehnte lang den Deutschen Sparkassen- und Giroverband, dann die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, schließlich den Internationalen Währungsfonds IWF leitete.

Aus dem Kreis der nicht mehr aktiven Politiker wird nun Rudolf Seiters genannt - früher Bundesinnenminister und Kanzleramtschef, heute Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Auch Klaus Töpfer gehört zu diesem Kandidatenkreis. Der 71-jährige ehemalige Umwelt- und Bauminister war schon 2004 für das Bundespräsidentenamt im Gespräch. Heute ist er Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam.

Die FDP wird möglicherweise versuchen, mit dem früheren Partei- und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt einen Kandidaten aus den eigenen Reihen in die Verhandlungen mit der Union einzubringen. Wen auch immer Schwarz-Gelb ins Rennen schicken wird - konkurrenzlos wird er oder sie aber sicher nicht ins Rennen gehen.

Im vergangenen Jahr hatte Köhler drei Gegenkandidaten, allen voran die Politik-Professorin Gesine Schwan. Die SPD-Kandidatin scheiterte dann bereits zum zweiten Mal. Dass sie ein drittes Mal mit sehr geringen Siegchancen gegen einen schwarz-gelben Kandidaten antreten wird, gilt als unwahrscheinlich.

Die Sozialdemokraten haben allerdings bereits eine andere Frau ins Gespräch gebracht, die auch in Union und FDP auf Sympathien stoßen könnte: Margot Käßmann, die wegen einer Alkoholfahrt als EKD- Präsidentin zurückgetreten war. Der neue niedersächsische SPD- Vorsitzende Olaf Lies wagte sich mit diesem Vorschlag bereits kurz nach Köhlers Rücktrittserklärung aus der Deckung: „Nun ist es an der Zeit, dass jemand, der die Sorgen und Nöte der Menschen fest im Blick hat, wie zum Beispiel Margot Käßmann, dieses Amt ausfüllt.“

dpa