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Deutschland/Welt Käßmann fliegt mit Guttenberg nach Afghanistan
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Käßmann fliegt mit Guttenberg nach Afghanistan
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22:19 11.01.2010
Von Michael B. Berger
Margot Käßmann
Margot Käßmann Quelle: lni
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Dies sind erste Ergebnisse eines Gesprächs in Berlin, zu dem der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann eingeladen hatte. Käßmann hatte in Predigten und Interviews den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr kritisiert und ein Nachdenken über eine Ausstiegs-Strategie gefordert.

Nach dem dreiviertelstündigen Treffen im Berliner Verteidigungsministerium lobten beide Seiten die „konstruktive“ und „harmonische Atmosphäre“ des Gesprächs, an dem neben Guttenberg und Käßmann noch EKD-Militärbischof Martin Dutzmann und der Berliner Repräsentant der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) teilgenommen hatten. „Ich habe den Eindruck, dass Minister Guttenberg unsere Sorge versteht, dass der Vorrang für die zivile Konfliktbewältigung in irritierender Weise in den Hintergrund zu treten scheint, wenn jetzt lediglich über eine Aufstockung der Truppen geredet wird“, sagte Käßmann nach dem Gespräch dieser Zeitung. Als Katholik sei Guttenberg die Position der EKD, die Abkehr von der Vorstellung eines gerechten Krieges und Hinwendung zum Gedanken eines gerechten Friedens, sehr bewusst. „Er kennt sehr genau unsere Friedensdenkschrift von 2007 und die Sorgen unserer Soldaten“, sagte Käßmann, die Guttenberg als „sehr nachdenklichen Minister“ schilderte. Im Gegensatz zu manchen Kritikern habe er ihre Predigten in Gänze gelesen. Von anderen Politikern war Käßmann Naivität vorgeworfen worden sowie eine „Gesinnungsethik“, mit der sie den Soldaten in den Rücken falle.

Guttenberg habe demgegenüber klar bestätigt, dass die Kirche ein Mandat habe, zum Frieden aufzurufen und kritische Anfragen zu Militäreinsätzen zu stellen, sagte Käßmann und bekräftigte ihren Einspruch: „Die Diskussion muss auch fortgesetzt werden über einen Einsatz, an dem vor acht Jahren noch 1200 für sechs Monate und jetzt, nach acht Jahren Afghanistan-Mission 4500 Soldaten beteiligt sind, die noch einmal aufgestockt werden sollen.“

In einer gemeinsamen Presseerklärung hielten EKD und Verteidigungsministerium aber auch fest, „dass für die Soldatinnen und Soldaten der Rückhalt der Gesellschaft wichtig ist“. Dem könne eine offene Debatte über den Afghanistan-Krieg nur dienlich sein.

Wann genau die Afghanistan-Reise stattfinden wird, steht nicht fest. „Das ist zunächst ein grober Plan“, sagte eine EKD-Sprecherin. Käßmann war bereits vor einer Woche zu dem Gottesdienst bei der Bundeswehr eingeladen worden.