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Deutschland/Welt Käßmann: Ganztagsschulen wichtiger als Betreuungsgeld
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Käßmann: Ganztagsschulen wichtiger als Betreuungsgeld
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17:30 26.12.2009
Evangelische Bischöfin Margot Käßmann
Evangelische Bischöfin Margot Käßmann Quelle: ddp (Archiv)
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Am bedrückendsten sei „die wachsende Kinderarmut und dass viele Kinder und Jugendliche selbst nicht mehr daran glauben, aus der Armut herauszukommen“, sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dem Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“. Daher sei die Ganztagsschule wichtig - „viel wichtiger als ein Betreuungsgeld“. Das vor allem auf Druck der CSU durchgesetzte Betreuungsgeld „könnte eher ein Anreiz für manche Eltern sein, Kinder gerade nicht einer Bildungseinrichtung anzuvertrauen“.

Käßmann bescheinigte der Politik, ein veraltetes Familienbild zu haben. „Immer noch ist unser Betreuungs- und Bildungssystem darauf eingestellt, dass ein Kind um 13.30 Uhr nach Hause kommt, dass jemand gekocht hat und mit ihm Hausaufgaben macht. Dieses Familienbild entspricht nicht mehr der Realität“, sagte die Bischöfin.

Käßmann: Schutz der Privatsphäre ist im TV nichts mehr wert

Die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann hat die TV-Sender aufgefordert, „sich ihrer Verantwortung für die Menschenwürde wieder bewusst“ zu werden. Mit Blick auf das Medienjahr 2009 sagte die 51-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ laut Vorabbericht, es gehe „offenbar nur noch um den programmierten Tabubruch, um nichts anderes.“ Ihr „tun die Menschen leid, die vor die Kamera gezerrt werden und oft die Folgen gar nicht absehen können. Der Schutz der Privatsphäre scheint nichts mehr wert“.

Jugendliche, die in Castingshows gingen und sich dort blamierten, weil sie vielleicht nicht singen könnten, „werden zig Mal vorgeführt“, sagte Käßmann. Sie fügte hinzu: „Die ganze Nation lacht drüber. Wie sollen solche Kinder am nächsten Tag wieder mit Selbstbewusstsein in die Schule gehen?“

Die EKD-Vorsitzende kritisierte auch den Print-Journalismus: „Der Umgang mit einer HIV-infizierten Sängerin hat für mich Grenzen überschritten. Mehr kann man einen Menschen nicht bloßstellen.“ Gegen die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa hatte die Staatsanwaltschaft Darmstadt im April Haftbefehl erlassen, weil sie zwischen 2004 und 2006 mit drei Männern ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben soll, ohne diese auf ihre HIV-Infektion hinzuweisen. Einer der Männer soll sich dabei infiziert haben. Der Haftbefehl war im Juli aufgehoben worden.

lni / ddp