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Deutschland/Welt Jung verzichtet auf Bombodrom
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Jung verzichtet auf Bombodrom
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19:28 09.07.2009
Von Gabriele Schulte
Es gab immer wieder Proteste gegen das geplante Bombodrom. Quelle: Eisele/ddp (Archiv)
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Lange Gesichter gab es im Westen Niedersachsens: Die Menschen rund um das BombenabwurfgeländeNordhorn Range“ können nicht mehr auf eine Lärmentlastung durch den seit 17 Jahren geplanten Übungsplatz in Ostdeutschland hoffen. Nordhorns Bürgermeister Meinhard Hüsemann (SPD) äußerte sich „wütend und sehr, sehr enttäuscht“ und forderte „gleiches Recht für die Grafschaft Bentheim“. Über Jahre sei den Bewohnern dort und im angrenzenden Emsland parteiübergreifend eine „gerechte Lastenverteilung“ zugesagt worden. Sowohl Verteidigungsminister Jung als auch sein Vorgänger Peter Struck (SPD) hätten falsche Versprechen gemacht: „Beide haben versichert, sie würden für das Bombodrom bis in die letzte Instanz gehen.“

Nach mehreren juristischen Schlappen, zuletzt vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin, kündigte Jung aber jetzt an, auf eine Revision zu verzichten. Damit bleiben „Nordhorn Range“ und ein Gelände in Bayern die einzigen Trainingsmöglichkeiten der Bundeswehr in Deutschland für Tiefflieger, die Übungsmunition abwerfen - und zwar weiter „auf derzeitigem Niveau“, wie ein Sprecher von Jung erklärte.

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Die Bewohner von Nordhorn und Umgebung leiden seit Jahrzehnten. Nach dem Krieg hatten die Briten ihre Flugzeuge über das ehemalige Testgelände der Reichsluftwaffe dröhnen lassen, 2001 übernahm die Bundeswehr. Auch wenn die Zahl der Flüge und Bombenabwürfe seitdem deutlich zurückging, sei die Belastung nicht mehr zumutbar, meint Bürgermeister Hüsemann. „Sogar in der Innenstadt schreien Kinder, wenn die Flugzeuge über ihre Köpfe fliegen.“

Tourismus und Gewerbeansiedlung litten genauso, wie es die Brandenburger für den Fall eines Bombodrom-Betriebes befürchtet hatten. Anwohner und Politiker an der Grenze zu den Niederlanden hegen nun die Hoffnung, dass auch der „Nordhorn-Range“-Widerstand vor Gericht einen Sieg erringt. „Die Klage vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück kriegt einen neuen Schub“, sagte Wolfgang Egberdt, Sprecher der „Notgemeinschaft Nordhorn Range“ – diese rühmt sich, Deutschlands älteste aktive Bürgerinitiative zu sein. Die Kreise Grafschaft Bentheim und Emsland und mehrere Gemeinden bemängeln nämlich in dem Verfahren, wie die erfolgreichen Bombodrom-Gegner, dass die Bundeswehr den Platz ohne vorherige Anhörung der Kommunen betreibt. „Wir fordern jetzt die unverzügliche Schließung“, sagte Landrat Friedrich Kethorn (CDU) am Donnerstag in Nordhorn. Mit der Geduld sei es vorbei.

09.07.2009
09.07.2009