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Deutschland/Welt Joachim Gauck ist das neue Staatsoberhaupt
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Joachim Gauck ist das neue Staatsoberhaupt
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22:29 18.03.2012
Von Gabi Stief
Joachim Gauck ist seit Sonntag neuer deutscher Bundespräsident. Quelle: dpa
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Berlin

1232 Delegierte nahmen an der Bundesversammlung teil, 1228 gültige Stimmen wurden abgegeben. Davon entfielen auf Gauck 991.

Als Bundestagspräsident Norbert Lammert das Ergebnis verkündete, brandete Beifall auf. Gauck erhob sich und nahm die Wahl an. „Was für ein schöner Sonntag“, sagte er.

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Gauck sagte, er werde sicher nicht alle Erwartungen, die an ihn und seine Präsidentschaft gerichtet seien, erfüllen können. „Aber eins kann ich versprechen: Dass ich mit all meinen Kräften und mit meinem Herzen Ja sage zu der Verantwortung, die Sie mir heute übertragen haben.“ Er wolle sich nun auf neue Themen, Probleme und Personen einstellen.

An der Wahl Gaucks schon im ersten Wahlgang gab es keinen Zweifel. Der Parteilose wurde von CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen unterstützt. Jedoch fehlten ihm mehr als 100 Stimmen aus diesem Fünf-Parteien-Lager.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte, offenbar seien viele Delegierte aus der Union nicht einverstanden gewesen mit dem Schwenk Angela Merkels, die zuvor lange nach einem anderen Kandidaten gesucht hatte. Allerdings gab es in jüngster Zeit auch bei SPD und Grünen Kritik an Gauck, der viel über Freiheit spreche, sich aber wenig um Themen der sozialen Gerechtigkeit kümmere.

SPD und Grüne hatten Gauck bereits im Jahr 2010 zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt. Damals setzten Union und FDP im dritten Wahlgang Christian Wulff durch.

Wulff trat im Februar dieses Jahres zurück, als die Staatsanwaltschaft gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme eröffnete.

Gauck erinnerte am Sonntag an seine erste freie Wahl zur DDR-Volkskammer am 18. März 1990. „In jenem Moment war da in mir neben der Freude ein sicheres Wissen: Ich werde niemals eine Wahl versäumen.“ Auch als Präsident könne er sich die Welt und das Land nicht denken ohne Freiheit und Verantwortung.

Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich zufrieden über die breite Mehrheit für Gauck. Sie sagte in einem Interview von ARD und ZDF, es könne durchaus vorkommen, dass Gauck etwas kritisch sehe – genauso wie es sein könne, dass sie etwas kritisch sehe. Auf die Frage, ob es sein könne, dass er ihr die Leviten lese, sagte sie: „Es geht jetzt hier nicht um irgendwelche Erziehungsmethoden, sondern um Meinungsäußerungen, aus denen im Übrigen eine Demokratie meistens gestärkt herauskommt.“

Merkel hatte sich zunächst gegen Gauck als Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen, wurde dann aber in den Vorgesprächen vor vier Wochen vom Koalitionspartner FDP gedrängt, sich anders zu entscheiden.