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Deutschland/Welt Jedes Jahr 7000 Frührentner wegen psychischer Probleme
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21:58 12.12.2011
Von Gunnar Menkens
Die zunehmende Zahl psychisch bedingter Frühverrentungen hat weitreichende finanzielle Folgen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Im vergangenen Jahr schieden etwa 7000 Männer und Frauen aus dem Berufsleben aus, weil sie Anforderungen des Arbeitsalltags psychisch nicht mehr gewachsen waren. Dies sind 37 Prozent aller erwerbsunfähig gewordenen Kassenpatienten. Früher waren es in erster Linie Rückenleiden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zur Frühverrentung führten.

Jan Miede, stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung für Braunschweig-Hannover, sprach sich gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung dafür aus,  mehr Psychotherapeuten einzusetzen. Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen sollten entsprechende Konzepte erarbeiten. So könne eine Wiedereingliederung von Patienten ins Berufsleben gelingen. „Mit ambulanter Vor- und Nachsorge steigen die Chancen für Patienten, nach einem Klinikaufenthalt in den Beruf zurückzufinden.“

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Nach einer Untersuchung der Psychotherapeutenkammer wartet in Deutschland ein Drittel aller Patienten länger als drei Monate, bis ein erstes Gespräch stattfindet. Sprecherin Lea Peplau sagte, offiziell herrsche Überversorgung, in der Realität dagegen Unterversorgung.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen zahlte im ersten Quartal dieses Jahres 754 Millionen Euro Honorare an Ärzte aller Fachrichtungen aus, von denen 26 Millionen Euro an 1449 niedergelassene Psychotherapeuten gingen. Nach Ansicht der Standesvertretung könnten mehr Therapeuten bezahlt werden, ohne dass Krankenkassen zusätzliche Beiträge erheben müssten.

Die AOK Niedersachsen erwägt Sonderzulassungen in besonders unterversorgten Gebieten. Zudem könnten sich zwei Psychotherapeuten bislang halbtags betriebene Praxen teilen und somit Behandlungszeiten verdoppeln.

Die Daten der Versicherer werden von Auswertungen des Statistischen Bundesamtes bestätigt. Danach verursachen psychische Erkrankungen mittlerweile bundesweit Kosten von rund 29 Milliarden Euro pro Jahr. 1993 lag dieser Wert noch bei 19 Milliarden Euro. Depressionen, Erschöpfungssymptome und andere Lebenskrisen sind in Unternehmen und Behörden Grund für zwölf Prozent aller Krankschreibungen.

Die zunehmende Zahl psychisch bedingter Frühverrentungen hat weitreichende finanzielle Folgen: Beiträge für die Sozialversicherungssysteme fehlen, Arbeitskräfte fallen aus, und Kommunen müssen in vielen Fällen die geringen Erwerbsunfähigkeitsrenten aufstocken.