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Deutschland/Welt Israelische Armee weist Kritik an Gaza-Einsatz zurück
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Israelische Armee weist Kritik an Gaza-Einsatz zurück
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14:06 15.07.2009
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Sie reagierte damit auf einen zuvor veröffentlichten Bericht der Organisation Breaking the Silence, wonach der Einsatz mit rücksichtsloser Gewalt gegen Zivilisten geführt wurde.

Dem Bericht der Nichtregierungsorganisation Breaking the Silence hielt die Armee eigene Untersuchungen entgegen, wonach die Soldaten trotz der „schwierigen und komplexen Kämpfe im Einklang mit internationalem Recht und den erteilten Befehlen“ gehandelt hätten. Da die Aussagen in dem Bericht zumeist anonymisiert und unpräzise seien, könne die Armee sie nicht untersuchen, um „sie zu bestätigen oder zurückzuweisen“. Verteidigungsminister Ehud Barak bekräftigte, die israelische Armee sei „eine der moralischsten der Welt“.

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Der NGO-Bericht basiert auf den Aussagen von 30 nicht namentlich genannten Soldaten, die an den Kämpfen vom 27. Dezember bis 18. Januar beteiligt waren. Die Schilderungen belegten, dass die „unmoralische Art der Kriegsführung“ Israels systematisch gewesen und nicht auf individuelles Versagen zurückzuführen sei, sagte Michael Manekin von Breaking the Silence.

Auf über hundert Seiten beschreiben die Soldaten von der Militärführung „gebilligte Praktiken“, die teils im krassen Widerspruch zu internationalen Rechtsnormen stehen. So seien Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht worden. Soldaten hätten die Anweisung erhalten, das Feuer zu eröffnen, ohne die Folgen abzuwägen. Hunderte Häuser und Moscheen seien ohne jeden militärstrategischen Nutzen mutwillig zerstört worden. Wohngebiete seien mit Phosphormunition beschossen worden, die bei Opfern zu schweren Verbrennungen führt. Zu den „gebilligten Praktiken“ habe auch das Töten von Zivilisten mit leichten Waffen und die Zerstörung von Privateigentum gehört.

Eine „Atmosphäre des Zulassens“ habe die Kommandostrukturen bestimmt. „Das Ziel war, eine Operation mit so wenig Verletzten auf Seiten der Armee zu führen wie möglich, ohne sich zu fragen, wie hoch der Preis für die andere Seite ist“, sagte ein Soldat. Erst schießen, dann fragen, sei die Losung gewesen. „Wir haben nicht die Anweisung erhalten, auf alles zu feuern, was sich bewegt, aber uns wurde grundsätzlich gesagt: „Wenn ihr euch gefährdet fühlt, schießt. “

Im Detail beschrieben mehrere Soldaten den Missbrauch von Zivilisten als Schutzschilde. „In jedes Haus, dem wir uns näherten, haben wir zunächst Nachbarn geschickt“, erzählte einer von ihnen. Es sei auch vorgekommen, dass Soldaten Zivilisten mit dem Gewehrlauf auf der Schulter vor sich hergetrieben hätten, berichtete ein anderer unter Berufung auf seinen Offizier.

Anfang Juli hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ebenfalls in einem Bericht über die Gaza-Offensive der Armee und der radikalislamischen Hamas-Organisation „Kriegsverbrechen“ vorgeworfen. Bereits damals lauteten die Vorwürfe gegen die Armee ähnlich: sie soll über dicht besiedelten Gebieten Phosphorgranaten abgeschossen und Zivilisten, unter ihnen Kinder, als „menschliche Schutzschilde“ benutzt haben. Außerdem sollen die Soldaten nicht zwischen zivilen und militärischen Zielen unterschieden haben.

afp