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Deutschland/Welt Israelis töten Aktivisten - deutsche Abgeordnete an Bord des Hilfskomvois
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Israelis töten Aktivisten - deutsche Abgeordnete an Bord des Hilfskomvois
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11:43 31.05.2010
Ein Elitekommando der israelischen Armee hat im Mittelmeer mehrere Schiffe einer internationalen Hilfsflotte für den Gazastreifen gestürmt.
Ein Elitekommando der israelischen Armee hat im Mittelmeer mehrere Schiffe einer internationalen Hilfsflotte für den Gazastreifen gestürmt. Quelle: dpa
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Bei einer israelischen Kommandoaktion gegen einen internationalen Schiffskonvoi mit Hilfsgütern für den abgeriegelten Gazastreifen sind nach israelischen Angaben mindestens zehn pro-palästinensische Aktivisten getötet worden. Nach israelischer Darstellung wurden die Soldaten bei der Erstürmung der Schiffe mit Messern und Eisenstangen attackiert. Türkischen Medienberichten zufolge schossen die Soldaten mit Gewehren um sich. Mehrere Dutzend Menschen - sowohl Aktivsten als auch Soldaten - wurden nach Angaben der Streitkräfte verletzt.

Über die Identität der Opfer wurde zunächst nichts bekannt. An Bord der aus sechs Booten bestehenden Flottille waren Dutzende europäische Abgeordnete, darunter auch die zwei linken Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth. Auch der frühere Friedensnobelpreisträger Mairead Corrigan Maguire aus Nordirland, die 85 Jahre alte Holocaust-Überlebende Hedy Epstein sowie eine ehemalige Abgeordnete und ein Ex-Oberst aus den USA hatten sich der Aktion angeschlossen.

Der arabische Fernsehsender Al Dschasira berichtete telefonisch von Bord eines türkischen Schiffes, das den Hilfskonvoi anführte, israelische Marinesoldaten hätten das Schiff unter Feuer genommen und geentert. Der Kapitän sei dabei verletzt worden.

Die türkische Regierung, die die Hilfsflotte inoffiziell unterstützt hatte, verurteilte die Militäraktion und forderte eine „dringende Erklärung“ Israels. Die israelischen Regierung habe internationales Recht verletzt und müsse mit Konsequenzen rechnen.

Über die Zustände an Bord der drei Passagier- und drei Frachtschiffe war zunächst wenig zu erfahren. Satellitentelefone mussten ausgeschaltet werden, und die Kommunikation mit einer kleinen Gruppe von Journalisten, die mit dem israelischen Militär unterwegs war, wurde blockiert.

Bereits nach den ersten Fernsehberichten über die Militäraktion war es vor dem israelischen Konsulat in Istanbul zu antiisraelischen Protesten gekommen. Dutzende Demonstranten versuchten, das Gebäude zu stürmen. Polizeikräfte verhinderten dies.

Der von der Organisation Free Gaza zusammengestellte Konvoi hatte am Sonntag vor Zypern die 400 Kilometer lange Reise zum Gazastreifen begonnen. In dem von der militanten Hamas beherrschten Gebiet leben 1,5 Millionen Palästinenser. Die Schiffe sollte ihnen Güter bringen, die wegen der israelischen Blockade dort nicht mehr hingelangen. Israel hatte die Blockade nach der Machtübernahme der der Machtübernahme der islamisch-fundamentalistischen Hamas im Jahr 2007 verhängt.

Israel hatte damit gedroht, die Schiffe aufzuhalten. Israelische Kriegsschiffe verließen am Sonntagabend ihre Stützpunkte, um die Hilfsflotte zu stoppen. Es war bereits der neunte Konvoi, den die Aktivisten in Richtung Gaza auf den Weg schickten, um international auf die Lage der Palästinenser in dem Gebiet aufmerksam zu machen. Die jetzt attackierte Flotte ist die bislang größte ihrer Art.

Bei den Linken in Berlin machte man sich am Montagmorgen Sorgen um die Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth, die sich der Aktion angeschlossen hatten. Wo sich die beiden aufhielten, wisse man nicht, sagte ein Parteisprecher am Montag der Nachrichtenagentur DAPD.

Groth schreibt auf ihrer Internetseite, sie befinde sich gegenwärtig mit Höger auf der „Challenger 1“ innerhalb der Free-Gaza-Flotille im Mittelmeer. Ziel der Mission sei es, wichtige Versorgungsgüter wie Medikamente, Baustoffe, Geräte in den abgeriegelten Gazastreifen zu verschiffen, um die Notlage der Palästinenser zu lindern.

dpa