Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt In deutschen Grills wird Tropenholz verfeuert
Nachrichten Politik Deutschland/Welt In deutschen Grills wird Tropenholz verfeuert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:42 14.06.2019
Grillmeister wissen oft nicht, was sie da verfeuern. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Anzeige
Berlin

In deutschen Grills kommt offenbar häufig Tropenholz zum Einsatz, ohne dass die Verbraucher von dessen bedenklicher Herkunft wissen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Grünen hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums werden pro Jahr durchschnittlich 236.000 Tonnen Holzkohle in Deutschland verbraucht – davon werden 95 Prozent nach Deutschland importiert.

Anzeige

Zu den wichtigsten außereuropäischen Exportländern von Holzkohle nach Deutschland zählt das Ministerium Paraguay (18 Prozent) und Nigeria (11 Prozent). „Die Bundesregierung kann nicht ausschließen, dass illegal genutzte Hölzer in importierter Holzkohle enthalten sind“, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

Auch interessant: Tropenholz aus Raubbau – Viele Grillkohlen fallen im Test durch

Holz aus Paraguay und Nigeria

Das Haus von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) beruft sich dabei auf eine seit 2016 durchgeführte Untersuchung des bundeseigenen Thünen-Instituts. Demnach ergaben Analysen von rund 6200 Kohleproben, dass bei etwa 30 Prozent der untersuchten Produkte die Herkunftsangaben „kritisch“ zu bewerten seien. Die Produkte waren also nicht oder falsch deklariert.

So handle es sich bei Sortimenten, die keinerlei Angaben zu den verwendeten Hölzern enthalten, oft um Tropenhölzer. Und selbst dort, wo „aus heimischen Laubhölzern“ draufsteht, wurden neben Buche, Ahorn und Eiche auch tropische und subtropische Hölzer beigemischt.

Lesen Sie auch: Vegetarisch Grillen – Ideen für den fleischfreien Grillabend

„Grillen und Urwaldschutz müssen zusammengehen“, forderte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, im Gespräch mit dem RND. Die Bundesregierung müsse etwas gegen den Handel mit illegalem Holz und Holzkohle tun.

Grüne für klare Kennzeichnung

„Wir fordern eine Aufnahme von Holzkohle in die entsprechende europäische Holzverordnung, welche das Ziel hat, die Einfuhr von illegalem Holz zu verhindern. Außerdem braucht es eine eindeutige Kennzeichnungspflicht von Holz und Holzprodukten nach Herkunftsland und Holzart sowie schärfere Kontrollen“, sagte Lemke.

Die Grünen-Politikerin mahnte einen besseren Schutz bedrohter Wälder an. „Der Urwald hat enorme Bedeutung für die Artenvielfalt und den Klimaschutz, und dennoch wird er weltweit weiter massiv abgeholzt“, sagte Lemke. „Es ist nicht auszuschließen, dass auch Holzkohle, mit der in Deutschland Grills befeuert werden, aus Raubbau stammt.“

Lesen Sie auch:Grillkohle: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Holzkohlegrill oder Gasgrill: Welcher Grill passt wann?

Von Marina Kormbaki/RND