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Deutschland/Welt Image des Westens erreicht Allzeittief
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Image des Westens erreicht Allzeittief
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23:25 06.12.2010
Von Klaus von der Brelie
Die Märkte in Kabul sind reichlich beschickt, doch seit die Preise steigen, fehlt vielen Afghanen das Geld für den Kauf der teuren Früchte. Quelle: ap
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Im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Nordosten Afghanistans haben nur noch 46 Prozent ein positives Bild von Deutschland, im Sommer 2007 waren es noch 75 Prozent gewesen. Das geht aus einer gemeinsamen repräsentativen Umfrage des WDR, des britischen Senders BBC, des US-Senders ABC und der Zeitung „Washington Post“ hervor, die zum sechsten Mal vorgenommen und am Montag veröffentlicht wurde.

„Bei der fünften Umfrage vor knapp einem Jahr hatten wir erstmals seit Langem wieder eine vorsichtige Aufbruchstimmung unter den Afghanen feststellen können. Doch die Hoffnungen auf eine Wende zum Besseren wurden in weiten Teilen des Landes drastisch enttäuscht“, sagt Arnd Henze, der als stellvertretender Auslandschef des WDR die Umfrage betreut hat.

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Der von US-Präsident Barak Obama vor einem Jahr angekündigte Strategiewechsel und die damit verbundene Truppenverstärkung werden zwar nicht grundsätzlich abgelehnt, die Auswirkungen sind aber nur in einem einzigen Gebiet deutlich messbar. Gegen den Trend ist die Gesamtzufriedenheit der Menschen in der einstigen Unruheprovinz Helmand im vergangenen Jahr von 44 auf 71 Prozent gestiegen. Vor allem die wirtschaftlichen Möglichkeiten werden von 59 (plus 44 Punkte), die Bewegungsfreiheit von 61 (plus 35) und der Schutz vor den Taliban von 58 Prozent (plus 45) deutlich positiver bewertet.

Vier von zehn Befragten im Nordosten sind der Ansicht, die Nato nehme immer weniger Rücksicht auf zivile Opfer. Die Zahl derer, die Anschläge auf Nato-Einheiten befürworten, hat im deutschen Verantwortungsbereich im Nordosten mit 39 Prozent ein Allzeithoch erreicht. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre hat sich die Zahl der Bewohner im Nordosten mit einem positiven Urteil zur deutschen Einsatzleistung von 45 Prozent auf 21 Prozent mehr als halbiert und die Zahl der Kritiker von acht auf 27 Prozent mehr als verdreifacht. Knapp die Hälfte der Befragten sieht Deutschlands Rolle „neutral“. Bezogen auf ganz Afghanistan ist die Zahl derjenigen, die den deutschen Einsatz negativ einschätzen, mit 28 Prozent erstmals höher als die derjenigen, die ihn positiv sehen (25 Prozent).

Für die Umfrage wurden von 1691 Afghanen in allen 34 Provinzen des Landes repräsentativ ausgewählt. Die Interviewer – rund 200 Personen – konnten aus Sicherheits- oder Witterungsgründen allerdings zehn Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen nicht erreichen.