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Deutschland/Welt IHK fordert Einführung einer Kindergartenpflicht
Nachrichten Politik Deutschland/Welt IHK fordert Einführung einer Kindergartenpflicht
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22:14 11.01.2010
Quelle: ap
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Die IHK Hannover fordert ein verpflichtendes Kindergartenjahr. „Auf diese Weise können mögliche Defizite bei Kindern rechtzeitig behoben werden und die Erstklässler einigermaßen gleiche Startchancen in der Grundschule erhalten“, sagte Rehm am Montag beim IHK-Neujahrsempfang am Montag in Hannover.

Die Jahre bis zur Einschulung sind für die Entwicklung von Kindern besonders wichtig. Mit dem „obligatorischen Kindergartenjahr für das letzte Jahr vor der Einschulung“ könnten schon vor der Schule wichtige Kompetenzen gefördert werden, sagte der IHK-Präsident. Rehm kritisierte zugleich die Kindergelderhöhung der Bundesregierung. „Dies mag populär sein, zielführend ist es nicht“, sagte der IHK-Präsident.

Den IHK-Präsidenten bewegten aber nicht nur pädagogische Motive zu seiner bildungspolitischen Einlassung: „Wir können es uns nicht leisten, dass hochqualifizierte Arbeitskräfte dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen und ihre Steuerkraft dem Staat verloren geht, nur weil nicht genügend Betreuungsplätze vorhanden sind“, sagte er vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik, darunter auch Ministerpräsident Christian Wulff.

Die Landesregierung hält den Vorschlag für überflüssig. Das niedersächsische Kultusministerium verwies auf die Quote derer, die schon heute auf freiwilliger Basis Kindertageseinrichtungen besuchten. Dies seien den Zahlen von 2008 zufolge immerhin 95 Prozent der Fünfjährigen – in absoluten Zahlen 70 633. „Die Frage nach einer Kindergartenpflicht stellt sich deshalb für uns gar nicht“, sagte ein Sprecher von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann. Zusätzlich habe die Regierung Sprachtests eingeführt, um Defiziten schon im Vorschulalter begegnen zu können.

Auch der Kita-Landeselternrat Niedersachsen bewertete den Vorschlag Rehms in einer ersten Reaktion skeptisch. „Der Besuch liegt in der Eigenverantwortung der Eltern – auch wenn wir eine möglichst frühe Betreuung grundsätzlich für richtig halten“, sagte Vorstand Hermann Terhorst.

Zuletzt hatte 2006 die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bundesweit das obligatorische Kindergartenjahr gefordert – und war unter anderem am Widerstand der Landesregierung in Niedersachsen gescheitert. Damals spielten neben politischen auch rechtliche Fragen eine Rolle. So stellte ein Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung ein Gutachten vor, in dem es hieß, dass eine Kita-Pflicht das verfassungsmäßig garantierte Elternrecht verletze.

Von Dirk Schmaler