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Deutschland/Welt Demonstranten in U-Bahn von Schlägertrupp attackiert
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Demonstranten in U-Bahn von Schlägertrupp attackiert
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08:35 22.07.2019
Zahlreiche Demonstranten nehmen in Hongkong an einem Protestmarsch teil, um eine unabhängige Untersuchung der jüngsten Polizeitaktiken zu fordern. Quelle: Vincent Yu/AP/dpa
Hongkong

Nach schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten in Hongkong ist es zu einer neuen Gewalteskalation gekommen. Unbekannte griffen in einer U-Bahnstation Protestierende und Pendler an.

Die Zeitung „Apple Daily“ veröffentlichte im Internet Videoaufnahmen, die zeigten, wie weiß gekleidete, maskierte Angreifer mit Regenschirmen in einer U-Bahnstation und einem Waggon schwarz gekleidete Aktivisten mit gelben Helmen schlugen. Wütende Passagiere sagten der Webseite Stand News und dem Sender iCable, die Polizei sei nicht eingeschritten.

Hunderttausende hatten am Sonntag erneut gegen die Regierung und für Ermittlungen gegen das Vorgehen der Polizei bei vorangegangenen Protesten demonstriert. Die Demonstranten waren zum großen Teil schwarz gekleidet und trugen gelbe Helme. Am Vortag hatte es eine Solidaritätskundgebung für die Polizei gegeben, bei der Teilnehmer weiße Kleidung trugen.

Beim Protestmarsch am Sonntag war es auch zu neuen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Beamte in voller Schutzausrüstung setzten am Abend Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben, wie Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten. Viele der Demonstranten hatten sich für die Konfrontation ebenfalls mit Atemschutzmasken, selbst gemachten Schilden und Helmen gerüstet.

Eier-Würfe, Straßensperren, besprühte Überwachungskameras

Rund 430.000 Menschen hatten nach Angaben der Organisatoren zuvor friedlich für demokratische Rechte demonstriert. Die Polizei gab die Teilnehmerzahl mit 138.000 an. Nach Ende der Kundgebung bewarfen einige Demonstranten das Verbindungsbüro der regierenden Kommunistischen Partei Chinas mit Eiern, besprühten die Überwachungskameras am Gebäude und beschmierten das dort angebrachte chinesische Wappen mit schwarzer Tinte. Einige errichteten auch Straßensperren.

Als die Menge sich weigerte, sich zu zerstreuen, setzte die Polizei das Tränengas ein und rückte gegen die Demonstranten vor. Über Verletzte und Festnahmen wurde zunächst nichts bekannt. AP-Reporter sahen mehrere Demonstranten, die nach Kontakt mit dem Tränengas von Helfern versorgt wurden. Über ihre offiziellen Konten in den sozialen Medien teilte die Polizei später mit, Demonstranten hätten Backsteine und Molotowcocktails auf Beamte geworfen und die zentrale Polizeiwache attackiert.

Pläne für ein umstrittenes Auslieferungsgesetz, durch das Bewohner von Hongkong auf dem chinesischen Festland vor Gericht hätten gestellt werden können, hatten im Juni massive Proteste losgetreten. Die Demonstranten erreichten, dass die Regierungschefin von Hongkong, Carrie Lam, den Gesetzentwurf auf Eis legte, doch den Aktivisten geht es mittlerweile noch um viel mehr. Sie wollen einen Rücktritt Lams und die Absicherung der demokratischen Freiheiten, die Hongkong für Jahrzehnte garantiert worden waren, als es 1997 von Großbritannien an China zurückgegeben wurde.

Chinesische Medien hatten Proteste lange ignoriert

Bei dem Protestzug proklamierten Teilnehmer fünf Forderungen aus einem Manifest, das bei der Erstürmung des Hongkonger Parlaments am 1. Juli erstmals präsentiert worden war: Allen Bewohnern Hongkongs solle ein direktes Wahlrecht gewährt, alle Vorwürfe gegen die bei den Protesten festgenommenen Demonstranten sollten fallengelassen werden, eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten dürfe nicht mehr als „Unruhen“ bezeichnet und der Legislativrat Hongkongs müsse aufgelöst werden.

Chinesische Medien hatten die Proteste in der Sonderverwaltungszone lange ignoriert. Am Sonntag schrieb das kommunistische Parteiorgan „Renmin Ribao“, „radikale Extremisten“, hätten am 1. Juli das Hongkonger Parlament gestürmt und die Rechtsstaatlichkeit mit Füßen getreten.

Von RND/AP