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Deutschland/Welt Hans-Jochen Vogel: "Mit Gauck wäre uns einiges erspart geblieben"
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Hans-Jochen Vogel: "Mit Gauck wäre uns einiges erspart geblieben"
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17:45 17.02.2012
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Hannover

Herr Dr. Vogel, hat Sie die Rücktrittserklärung von Christian Wulff überzeugt?
Seine Erklärung wäre glaubwürdiger gewesen, wenn er sie schon vor einigen Wochen abgegeben hätte. In der Zwischenzeit hat er sich nur halb verteidigt, hat viele Fragen offen gelassen. Insofern war der jetzige Schritt dringend notwendig, um weiteren Schaden für das höchste Staatsamt zu verhindern.

Aber gegen Christian Wulff soll erst einmal ermittelt werden, eine mögliche Schuld steht noch gar nicht fest. Ist Wulff ein Opfer der Vorverurteilungen durch die Medien, gilt die Unschuldsvermutung nicht mehr?
Es geht nicht um Rechtsbrüche, sondern in erster Linie um den Umgang mit so genannten "Freunden", die Herrn Wulff möglicherweise Vorteile gewährt haben. Und es geht um die Art und Weise seiner Verteidigung, mit der er sich und das Amt unglaubwürdig gemacht hat.

Welche Anforderungen muss eine künftige Bundespräsidentin oder ein Bundespräsident erfüllen?
Es gelten dieselben Anforderungen wie an den Vorgänger. Und vor allem muss er oder sie verloren gegangenes Vertrauen zurück gewinnen.

Die Bundeskanzlerin hat angekündigt, nun nach einem parteiübergreifendem Kandidaten zu suchen.
Das halte ich für vernünftig. Damit greift die Bundeskanzlerin einen Vorschlag von Sigmar Gabriel auf. Verlorenes Vertrauen wieder herzustellen, wird dem künftigen Amtsinhaber leichter fallen, wenn er oder sie von einer breiten politischen Mehrheit getragen wird. Ich erinnere daran, dass es einen solchen Kandidaten mit Richard von Weizsäcker bereits gegeben hat.

Wäre Joachim Gauck für Sie ein würdiger Bundespräsident?
Ganz sicher, denn sonst wäre er nicht vorgeschlagen worden. Vielleicht wäre uns mit seiner Wahl einiges erspart geblieben.

Interview: Reinhard Zweigler